Heft 
(1904) 13
Seite
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Kleine Mitteilungen.

Tatsache ist noch nicht vollständig aufgeklärt. Man hatte im Vorjahre bekanntlich einen künstlichen Teich dadurch herzustellen gesucht, datl man den Teil des Tiergarten-Gewässers beim genannten Denkmal abgedämmt hatte. Ehe man die Goldfische hineinließ, war nicht nur das Gewässer wiederholt und aufs Sorgfältigste gereinigt worden, man hatte auch den neuen Teich aufmerksam abgefischt, um alle die Tiere wegzufangen, die den neuen Bewohnern sich schädlich erweisen könnten. Außerdem hatte man täglich den Teich zweimal abgezogen, um jede Verunreinigung des Wassers zu vermeiden. Die Fische selbst schienen sich in ihrem neuen Element wohl zu fühlen, von den beiden Brücken aus, die zugleich den Teich be­grenzen, waren die munteren Tiere durch die Besucher des Tiergartens gern und reichlich gefüttert, und namentlich, wenn die Sonne jene Flächen besolden, konnte man hier Hunderte der goldglitzenden, beweglichen Tiere sich tummeln sehen. Schon vor einiger Zeit war den Beamten der Tiergartenverwaltung der Umstand aufgefallen, daß im neuen Teich fast nie tote Goldfische konstatiert werden konnten, obgleich naturgemäß hier die Sterblichkeit noch größer sein mußte als im alten Teich, da die Fische durch die Übersiedelung immerhin etwas gelitten haben mochten. Die Erkenntnis dieser auffallenden Erscheinung veranlaßte die Tiergartenverwaltung, vier Unterbeamten die spezielle Aufsicht und Beobachtung des Teiches zu übertragen. Zunächst konnte durch diese nichts weiter festgestellt werden, als daß die Zahl der Goldfische sich ganz rapide im Abnehmen befaed. Fortgesetzte Beob­achtungen förderten sodann die Tatsache zu Tage, daß sich im Teich außer Barschen auch einige Hechte befinden, scheinbar jedoch in keineswegs bedenk­licher Menge. Man würde ihnen an sich wenig Bedeutung beigelegt haben, da man weiß, daß sich auch im alten Goldfischteich Hechte befinden; deren Nachkommenschaft jedoch sich bei den alljährlich im Frühjahr stattfindenden Fischzügen leicht wegfangen läßt, so daß irgend welche Gefahr für die Gold­fische durch sie noch nicht entstanden ist. Inzwischen verringerte sich im neuen Teich die Zahl der Goldfische in wahrhaft erschrecklicher Weise, und Ende voriger Woche konnten die dort stationierten Beamten konstatieren, daß sie keinen Goldfisch mehr im Teich zu entdecken vermöchten, eine Tat­sache, die von den zur Stelle gerufenen Oberbeamten nur bestätigt werden konnte. Infolgedessen sind bereits die außerhalb der beiden Brücken an­gebrachten Abdämmungen wieder entfernt und der künstliche Teich mit dem fließenden Tiergartengewässer in freie Verbindung gebracht worden. Der neue Goldfischteich, der mit so vielen Erwartungen ins Leben gerufen, hat somit nur 11 Monate existieren können. Gegenwärtig tummeln sich bereits da, wo sonst die Goldfische gehaust, weißgefiederte Schwäne, denen jetzt die reichlichen Bissen zufallen, die von den Besuchern in das Gewässer geworfen werden. B. T. Bl. 23. 6. 1880.

(Fortsetzung folgt).

Die Herren Autoren werden gebeten, auf ihren Manuskripten vermerken zu wollen, wieviel Exemplare der betreffenden Nnmmer sie zu erhalten wünschen.

Fflr die Redaktion: Dr. Eduard Zache, Cilstriner Platz 9. Die Einsender

haben den sachlichen Inhalt ihrer Mitteilungen zu vertreten.

Druck von P. Stankiewicz' Buchdruckerei, Berlin, Bernburgerstrasse 14.