Heft 
(1904) 13
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11. (4. ordentliche) Versammlung des XIII. Vereinsjahres.

Denn die Heimat gibt ihnen nichts als die Wohnung. Jeder wohlhabende Fischer besitzt eine oder ein paar Kühe; denn wie könnte er ohne Milch bestehen! Im Sommer gewährt die Palwe der Nehrung genügende Weide. Doch ist auch diese nicht umsonst, da der Staat wegen der Schatzpflanzungen für jedes Pferd 15 Groschen, für eine Kuli zehn und für ein Schaf fünf Groschen an Weidegeld verlangt. Die Weide ist über eine halbe Meile weit vom Dorfe entfernt, und die Kühe können daher nur morgens und abends gemolken werden. Die Heuernte findet jenseits des Haftes statt. Außer den Krähen bieten auch die Ilufttnöwen den armen Nehrungern Nahrung; so werden bei Kossitten jährlich etwa 5000 Möweneier gefunden und teilweise verschickt, da ihr Geschmack dem Kiebitzei mindestens die Wage hält, wie Bezzenberger berichtet. Oft sind ganze Dünenberge so von Möwen bedeckt, daß es nicht mehr möglich ist, die Farbe des Sandes zu erkennen. Der Geologe Schumann schätzte einen solchen Schwarm einst auf 50000 Möwen und berechnete, wie viele Fische täglich sie verzehrten.

Die Engländer, die doch sehr vorurteilsvolle undmäkelige Kost­gänger sind, verspeisen Pasteten von jungen Krähen (rook-pics) und mehrere Brandenburgia-Mitglieder, z. B. Herr Schenk, erzählten mir, daß Braten von jungen Krähen wohlschmeckend sei. Professor Nehring teilte mir vor einigen Jahren mit, in einem hiesigen Restaurant seien ihm junge Krähen anstatt Wildtauben vorgesetzt worden, er habe einen Krähenbraten ruhig verspeist und recht gut befunden, hiernächst aber auf Grund seiner zoologischen Kenntnisse den erst erstaunten, dann sehr verlegenen Wirt ins Gebet genommen.

NI. Nerthus. Illustrierte Zeitschrift für volkstümliche Naturkunde, zugleich Tauschorgan für Sammler aller naturwissen­schaftlichen Objekte. Ich lege Ihnen die Nr. 10 von Jahrg. (5, Altona- Kiel, den 18. September 1004 vor. Darin ein bemerkenswerter Artikel Zinn Schutze der Naturdenkmäler von Ludwig Schuster in Gonsenheim bei Mainz. Herausgeber ist Heinrich Barfod in Kiel.

XII. Das Verzeichnis der öffentlichen Vorträge des In­stituts für Meereskunde, Georgenstr. 34 30, wird auf Wunsch vor­gelegt. Unter den angekündigten25 Vorlesungen werden manche Ihr Interesse erregen.

XIII. August Rutots neueste Schriften zur Palaeontologie und Urgeschichte des Menschen. Unser hochgeschätztes korrespon­dierendes Mitglied, Konservator am K. Museum für Naturgeschichte in Brüssel, hat uns 14 verschiedene kleinere selbst verfaßte Schriften sowie ein größeres Werk zugesandt, welche mehr oder minder auch für unseru ur- und vorgeschichtlichen Menschen von Wert und Wichtigkeit sind.

a. LesCailloux de M. Thieullen. (Sitzung der Brüsseler Anthrop. Ges. 27. Okt. 1902.) Herr Th. beutet seit Jahren ein Kies-