Heft 
(1912) 20
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25 . ( 17 . außerordentl.) Versammlung des XIX. Vereinsjahrös.

Mit der Gutzkow-Feier Ende d. M. werden wir ein reickbewegtes Vereinsjakr abscliliessen: 26 Versammlungen, 9 ordentliche und nickt weniger denn 17 außerordentliche. Dabei Wanderfahrten nach Werder, Potsdam-Templin, Havelberg, Müncheberg, Blumberg, Rathenow, Lindow, Freienwalde a. 0., Friedrichsfelde, Döberitzer Heerstraße und Pickels­werder, zu der schönen Havelinsel, auf der wir, hoffentlich vom Wetter begünstigt, am Sonnabend vor Pfingsten unser heimatliches Festspiel Albrecht der Bär beginnen werden.

Unser heutiges XIX. Stiftungsfest füllt auf einen erfreulichen Er­innerungstag.

Wer heute die Denkmäler Friedrich Wilhelms III. und seiner Ge­mahlin im Tiergarten besucht hat, der wird sich an dem herrlichen Blumenschmuck daselbst erfreut haben. Gilt diese Huldigung heute doch ganz besonders dem Geburtstag der unvergeßlichen Königin Luise. Im vorigen Jahre am 13. Juli hatten wir eine traurige 100jährige Gedächtnis­feier. Wir durchfliegen im Geist die fast 101 Jahre seit dem Tode der Königin und freuen uns der steten und glücklichen Entwicklung, die unser Vaterland unter dem ruhmreichen Szepter der Ilohenzollern in dieser Zeit erlebt hat. Nicht zum wenigsten unter unserm jetzigen Kaiser und König, der es, wie wenige, versteht, Volkskraft und Wehr­kraft in ihrer höchsten Ausbildung zu erhalten, gleichwohl aber auch alle Zierden des Friedens, die Künste und Wissenschaften, unausgesetzt zu pflegen und zu fördern.

Sie wissen, daß ich bei unserm Kaisertoast gern ein Hohenzollern- wort zitiere. Als unser Kronprinz im August vorigen Jahres bei der Jubelfeier der Universität Königsberg zum immerwährenden Rektor proklamiert worden war, gebrauchte er in seiner Dankeserwiderung eine Redewendung, die uns Heimatkundler ganz besonders angeht.

Weisen Sie, sagte er zu den Hochschullehrern, uns die Wege, auf denen unser deutsches Volk wandeln soll, um die Stellung unter den Völkern einnehmen zu können, die ihm, seinen geistigen und physischen Kräften entsprechend, zukommt.

Dabei ist uns nicht damit allein gedient, die Schwächen und Mängel unseres Landes zu kennen, denn diese Erkenntnis führt leicht zur Verdrossenheit und unfruchtbaren Kritik, vielmehr sehnen wir uns nach Betonung unseres deutsch - nationalen Volkstums im Gegensatz zu den internationalisierenden Bestrebungen, welche unsere gesunde völkische Eigenart*) zu verwischen drohen.

*) Ist das Wortvölkisch eine unberechtigte Bildung? Das Wortvölkisch, das neuerdings als Ersatzwort iürnational hei uns Verbreitung zu finden beginnt, und das durch die Königsberger Rede des Kronprinzen auch der höchsten amtlichen Anerkennung gewürdigt wurde, ist bei diesem Anlaß von einem Teile der Presse, ins-