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Karl Wilke.
stadtklosters erbaut, der Mönchshof und Kreuzgang lag hierdurch ermittelt nach Süden, die Wirtschaftsgebäude nach Norden zu. Ein Berghang dabei heißt im Volksmunde „der Tumultberg“, es hängt das sicherlich auch mit „tumulus“ = Grabhügel zusammen, weil dort G—8 Lagen Gräber übereinander sich vorfinden.
53. Die neue Friedrichstraße. Eine Grundbuchbezeichnung etwa 1780 im Gebrauch, jetzt unbekannt geworden, für die Straßenzüge, welche auf dem Gelände des alten Gottesstadtklosters vom Kgl. Zolldirektor Schulze erschlossen und mit Hülfe königlicher Baubeihülfen bebaut wurden. Der Unterkietz und die kurze Gasse zum Marienkirchhof hieß neue Friedrichstraße.
54. Die Rittergasse. Sie führt von der Angermünderstraße zum Zernikowscben Gutsgehöft, jetzt ist der Name nicht mehr gebräuchlich. — Um recht wenig verschiedenartige Namenschilder hierfür neu anschaffen zu müssen, um sich Kosten zu ersparen, schritt der Oderberger Magistrat, vor etwa zehn Jahren, zu einer recht unübersichtlichen Neutaufe der Straßenzüge. Jetzt gibts daher bei Oderberg ganz uniform nur folgende Benennungen:
Die westliche Altstadt heißt Berlinerstraße. Die nördliche Altstadt heißt Angermünderstraße. Die östliche Altstadt, etwa 6 verschiedene Straßen und Gassen, heißt die Kietzerstraße. Die Neustadt wurde Wilhelmstraße benannt, auch drei Abschnitte umfassend. Wer sich nun an Hand dieser neuen, willkürlich, kreuz und quer gewürfelten Bezeichnungen schnell zurechtfinden möchte, kann das nur auf weiten Umwegen mit Zeitversäumnis bewirken. Es gibt z. B. hier von einzelnen Familiennamen Dutzende von Repräsentanten, die als Letztes von einem Scheffel Aussaat angesehen, selbst für Oderberger Begriffe nicht mehr als verwandt gelten. Wenn dann nicht die Necknamen der'einzelnen Familien bekannt sind, Vornamen sind meist immer die gleichen in diesen Familien dann ergeht es hierbei dem Sucher schlecht. So gibt es, beigleichenVornamen, einen Leutnant Gädeke, einen Graßmann-Gädeke, einen Rennen-Gädeke, einen Melitzen-Gädeke. einen Bilsen-Gädeke, einen Mulack-Gädeke usw.
Wie war es früher, in den dreißiger Jahren vorigen Jahrhunderts, besser um die Fremdenorientierung in Oderberg bestellt, da gab es ein gereimtes Adreßbuch und da hieß es in der Angermünderstraße — Pollex, der halbiert (Barbier),
Osthus, der kuriert (Arzt),
Bindemann is’n Salwenschieter (Apotheker),
Forckel is’n Heringskanditer (Kolonialwaren) usw.
55. Der lange Gang. Ehemals Wehrgang der Oderberger Palli- sadenbefestigung vom alten Angermünder Tor westlich, jetzt zum Kriegerdenkmal führend.