Heft 
(1892) 1
Seite
150
Einzelbild herunterladen

150

Moabit .

war es bei uns, den sieben item und titern der Bücher Mosis und Josua als da sind Kananitcr, Ileviter, Hethiter , Amoriter, Girgesitor, Pheresiter, Jebusiter nach Möglichkeit Eigennamen für Stadt- und Dorfbewohner nachzubilden. So z. B. liiess einer unserer Schulgenossen, der aus dem Oder­bruchsdorfeZechin stammte, nie einfachZechiner* sondernder Zechi- niter. Selbst der grimme Gymnasialdirektor machte mir gegenüber in einer Horazstunde bei guter Laune gelegentich den Scherza ja so, Sie Zelliniter-, nämlich vom OrteZellin her. So sehr war die Namensverlltn- gerungiter damals Volksbrauch.

Nun ist auch völlig klar, was es mit der Schimpf-Titulaturvermooste Bande, bez. Kerle auf sich hat.

Xante Strümp- freilich, d. i. der Jebildete Bärliner Giggerl unsrer Jugendzeit jene typische Spottgestalt, die sich nach dem altbrandcn- burgischen, insbesondre Potsdamer Mutterwitz mit Schnallenschuhen und Wadenstrümpfen wichtig thut und überall seine schnoddrige Zunge ohne Sinn und Verstand laut werden Hess; dessen Weisheit und Umblicksfllhigkeit aber nicht Uber Wadenhöhe hinaufging und niemals bis zum Kopfpunkt reichte: besagter Xante Strümp französelte sich aus .vermoost das Wörtlein famos zurecht und wurde nun erst gar nicht daraus klug. Denn von Fa- mosität war bei den behäbigen Moabitern nichts zu spüren, weder im Berliner Gesichtskreis an der Unterspree noch sonstwo in der Mark. Besonders sich hervorthun für Mit- und Nachruhm war nicht ihr Fall. Jeder folgte für gewöhnlich, ohne es zu wissen, der Gellertschen Kegel:er lebte, nahm ein Weib und starb. Sie waren gut situierte, abgelegen wohnende Gras- und Viehbauern. Sie galten alsdäsig, d. i. denkfaul, hatten bei leichter Arbeit guten Erwerb, schafften vielMoos in diesem Falle-Geld und ihre Töchter, dieMoosbeeren oderMoosröschen spöttisch auch, nament­lich von abgewiesenen LiebhabernMoospogge-Sumpffroseh benamset (woraus die Berliner sich wieder das unverständliche Mussbac ke zurecht­radebrechten und erklärten:Mädchen mit unsauberen, von Pflaumenmuss oder von Kuss geschwärzten Backen) waren sehr begehrt, aber schwer zu erreichen von Werbern, die nicht gleichfallsschwer wogen.

Manch ein von diesenGeldkröten ^tropischProtze d. i. =Kröte) abgewiesener Berliner und sonstwie städtischer Lumpacivagabundus tröstete sich mit dem für solche Heimkehr volksüblichen Gesänge:

Meine Mutter hat gesagt:

Nimm Dir kene Wiesenmagd;

Nimm dir ene aus de .Stadt,

Ob se hundert Dhaler hat.

Die da die da die hinter dem Rücken befindliche

1 Wiesonbewohnerin)

Die hat blaue (alias: dicke) Fiisse!

Wiesen- Wiesen­schaumkraut is nich süsse!

V ard man den Grasbauern lästig, so schlugen sie ähnlich wie-Jsdie Spurrkater d. i. die Bergwenden der Rollberge, mit Wagenrungen ihres- teils mitBäsbäumen = Heubäumen aus Kysterstämmen (wjsess) derb drein.