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4. (2. ausserordentliche) Versammlung des IX. Vereinsjahres.
aus Brettin eine Messe gestiftet habe für die Pfarrkirche. Die Kirche ist ein dreischiffiger Hallen bau mit Chorumgang. In ihrer heutigen Gestalt ist sie während des 15. Jahrhunderts in mehreren Bauperioden aufgeführt worden. Schon 1317 hatte Pabst Johann XXII. einen Ablass ausgeschrieben, um die schwankenden Säulen zu stützen. Der älteste Teil ist der östliche. Der Chor mit dem Chorumgang ist im Jahre 147U bis 1488 erbaut worden. Von den beiden Sakristeien ist die eine 1447 und die zweite 1477 bis 1488 erbaut worden. Beide Sakristeien sind zweistöckig. Ihre Räume dienten ehemals mehreren Brüderschaften zum Abhalten ihres Gottesdienstes. Links neben dem Altar steht ein (> m hohes Sakramentshäuschen, das einigen Schmuck eingebiisst hat. Im Chorumgang findet sich ein gotischer Schrank mit Schnitzereien und Wappen, und neben ihm sind in der Brüstung der Intercolumnien lt» Bilder vom alten Hochaltar angebracht, sie stellen Scenen aus dem Leben des heiligen Nicolas und Laurentius dar. In der einen Sakristei bewahrt man den sogenannten Tetzelkasten auf, ferner einen Klappaltar aus der Mönchenkirche und viele Schnitzfiguren von den abgerissenen Neben- altären. Der jetzige Hochaltar stammt aus dem Jahre 17(X) und zeigt in der Mitte ein Bild des Tempels zu Jerusalem. An den ersten Pfeilern vor dem Altar hängen einige Bilder von Lukas Kranach, eines derselben stellt Luther und ein zweites Melanchthon vor. Die Türme sind zwischen 1317 und 1322 erbaut worden. Nach der Einführung der Reformation wurde 1530 mit Hülfe der Steine aus den abgebrochenen 30 Altären die Türmerwohnung auf dem nördlichen Turm aufgesetzt. Die Kirche ist reich mit Glocken ausgestattet. Die alten Gebetszeiten mit ihrem Glockenläuten haben sich bis in die Neuzeit hinein erhalten. Unter den Glocken giebt es auch eine Armesünderglocke, denn der Stadt gehörte der Blutbann. Wer sich vor den engen und steilen Treppen, die zur Plattform der Türme führen, nicht gefürchtet hatte, wurde durch die Aussicht reichlich belohnt. Nach Nordwesten erblickt inan den Eisenbahndamm und darüber hinaus die hohen Gebäude, welche auf dem Artillerie- Schiessplatze errichtet worden sind. Gegen Norden sieht man hinter der Zinnaer Vorstadt und den Wiesen die Weinberge emporragen, niedrige Hügel mit Buschwerk, welche aber den Horizont abschliessen, so dass nur der Kirchturm von Luckenwalde emporragt. Weiterhin, im Grün versteckt, ragen die Dächer des Klosters Zinna in die Höhe. Nach Süden und Südosten hin ist das Bild besonders eigenartig. Hinter den Wiesen der Stadt hebt sich ganz allmählich das Gelände zu einer breiten, schiefen Ebene empor von grosser Ausdehnung, die man vollständig übersehen kann, da sie nur Ackerland trägt. An dieser Böschung steigen ein paar Chausseen in die Höhe, die eine führt nach Dennewitz und die zweite ist die grosse Strasse über Herzberg nach Dresden. Gegen Südosten endlich erscheint über dem Höhenrücken in weiter Ferne die blaue