4. (2. ausserordentliche) Versammlung des IX. Vereinsjahres.
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Kuppe des hohen Golm. Jüterbog liegt in der Mitte dieser Landschaft auf mehreren Hügeln in einem moorigen Wiesengrunde von massigem Umfange. Diese Lage wurde in kriegerischen Zeiten besonders wichtig. Es war das eine Übergangsstelle; es ist deshalb kein Wunder, wenn hier wiederholt der Schauplatz militärischer Ereignisse war. Die ersten werden hier wohl schon während der Wendenkreuzzüge sich abgespielt haben, dann folgten die Kämpfe zwischen Kursachsen und dem Erzbischof von Magdeburg; der dreissigjährige Krieg und der siebenjährige Krieg gingen hier nicht spurlos vorüber, und den Schluss machte am ß. September 1813 die Schlacht bei Dennewitz. Die hohen Türme von Nicolai sind nicht ohne Grund als ein Lug ins Land errichtet worden. In der Nicolaikirche hatte Herr Pfarrer Hamann die Erklärungen gegeben.
Von der Nicolaikirche wandten wir uns über den Wursthof zur Mönchenkirche. Hier am Wursthof befindet sich das zugemauerte Fenster des ehemaligen Nonnenklosters. Die Mönchenkirche gehörte zu dem 1510 vollendeten Franziskanerkloster. Sie ist ein einfacher drei- scliiffiger Hallenbau mit Chor. Als Predigerkirche der Franziskaner hatte sie nur an einer Seite Fenster. Neben der Kirche ist noch der übriggebliebene Flügel des Klosters erhalten. Er war nach der Reformation zuerst Gymnasium und darauf Bürgerschule.
Endlich besichtigten wir noch vor Tisch das Rathaus. Es steht auf dem Markt und stammt aus dem XV. Jahrhundert. In der Front besitzt es einen schönen Staffelgiebel über einer offenen Halle und auf der anderen Seite einen spätgotischen Ostgiebel. An der Ecke zwischen Front und Ostgiebel ist in über Mannshöhe eine kleine Figur aufgestellt. Es ist das der heilige Moritz, der Schutzpatron des Erzbistums Magdeburg. Als die Jüterboger schon alle Gerechtsamen hatten, wie Blutbann, Münzrecht etc., wollten sie auch noch einen Roland haben; der Erzbischof schenkte ihnen aber nur diesen Heiligen. In früheren Zeiten beherbergte das Rathaus auch das Kaufhaus, in dessen Sälen die einheimischen und die fremden Waaren ausgelegt werden mussten. Im ersten Stock befindet sich hinter einer geschnitzten Eichenthür das Prouk- zimmer mit köstlichem Sterngewölbe und Säulen. Herr Rektor Werner zeigte im Sitzungssaal eine Anzahl historischer Sehenswürdigkeiten vor. Die Stadt besitzt drei Schutzbriefe mit den Unterschriften Wallensteins, Torstensons und Banners. Es findet sich weiter unter den Schätzen ein zierliches Ciborium aus vergoldetem Kupfer, die Skelette zweier rechten Hände, das grosse Siegel der Stadt mit dem sächsischen und dem jüter- bogischen Wappen auf jeder Hälfte, weiter ein dachförmig gestalteter Holzklotz von ungefähr 3 dem Länge und 2 dem Höhe, welcher ein Folterinstrument vorstellen soll, und endlich eine Urne und mehrere alte Bücher.
Inzwischen war die Zeit zum Mittagessen herangekommen, deshalb versammelte sich die Gesellschaft allmählich in dem geräumigen