Heft 
(1900) 9
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4. (2. ausserordentliche) Versammlung des IX. Vereinsjahres.

Saal des Hotels Herold, wo die Tafeln schon gedeckt waren. Während der Tafel wurde eine Anzahl Reden gehalten. Der I. Vorsitzende, Herr Geheimrat Friedei, brachte den Kaisertoast aus, Herr Bürgermeister Schmiedecke feierte dieBrandeuburgia und wünschte ihr Blühen und Wachsen, Herr Geheiinrat Möbius brachte ein dreifaches Hoch aus auf die Stadt Jüterbog, auf die Herren, welche die Führung und Erklärung übernommen, und auf alle die, welche sich derBranden- burgia in so liebenswürdiger Weise angeschiossen hatten, und Herr Dr. Schmidt liess am Schlüsse seines humoristischen Toastes die Damen leben. Endlich verlas Herr Justizrat Bürkner eine prähistorische Postkarte, welche zur Begrüssung derBrandenburg!» eingegangen war.

Nach der Tafel wanderte die Gesellschaft nach dem Vorort von Jüterbog, nach Neu mar kt. Die Stadt schliesst auch nach dieser Seite hin ab mit einem wohlerhaltenen Thor nebst Turm. Hinter der Nuthe- briicke hebt sich das Gelände wieder und steigt beständig an bis es im sog. Wendentanzplatz die höchste Stelle erreicht hat. Auf diesem Platze soll ein Wendentempel gestanden halten. Bis in den dreissigjährigen Krieg befand sich hier in der Tliat ein kleines Gebäude mit Thür und Fenster und einem Kreuzgewölbe. Letzteres spricht gegen den Tempel. Es hat sich von alle diesem nur ein steinernes Kreuz erhalten, welches neben der Dorfschmiede an der Strasse aufgestellt ist. Am wahr­scheinlichsten ist wohl, dass das Gebäude ein Grabmal für vornehme Wenden war. Der alte Wendentempel wird eher an der Stelle der heutigen Kirche gestanden haben, denn es war Gebrauch, nach der Be­kehrung gerade dorthin das Gotteshaus zu bauen. Diese Kirche ist die Jakobikirche. Nach dem Vortrage des Herrn Pfarrers Hamann fehlen alle Akten. Das Jahr der Erbauung muss auf 1218 festgesetzt werden. Das Langhaus und der Altarraum sind zu verschiedenen Zeiten entstanden. Im Jahre 1724 wurde der Turm erbaut und im Jahre 1787 die Orgel von der sächsischen Regierung gescheukt. Der Altar ist um 170t) aufgerichtet, und im Jahre 1820 wurde die Kanzel über dem Altar befestigt, weil der Raum für die Kirchenbesucher zu eng geworden war. Es sind drei Glocken vorhanden, welche aus verschiedenen Zeiten stammen.

Damit war das Programm erledigt; nachdem in einem Gartenlokal der Kaffee eingenommen worden war, wurde der Rückweg zum Bahnhof angetreten. Der Weg führt zwischen Wiesen und Gärten an der Südseite der Stadt entlang. An der Westecke bietet sich noch einmal ein sehr schöner Blick auf die Stadtmauer mit ihren Türmen.

Mit dem Zuge um 8 Uhr 33 Min. wurde die Rückfahrt angetreten.

Auch an dieser Stelle sei noch einmal allen denen gedankt) welche sich bei der Führung und Belehrung beteiligt hatten, vor allem Herrn Pfarrer Hamann und Herrn Rektor Werner.