Heft 
(1900) 9
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5. (3. ausserordentliche) Versammlung des IX. Vereinsjahres.

wuchs und blühte, genügte in vollem Maasse. Es genügte auch die Waldespracht und der Blick auf den inselreichen See, über den sich riesige Kiefernkronen beugten und den breitästige Eichen von erstaun­lichem Umfange umkränzten. Ein Iiunddorf, das Heim nur von Bauern und Fischern, durch den Purismus der Gelehrsamkeit zeitweis aus Tegel in Ziegel umgetauft, liess nichts als einfache Gemüsegärtchen seine stroh­gedeckten Hütten umsäumen. In diesen wird der Besucher aus der Stadt, sowie der seit Jahrhunderten an dies Gewässer gebannte Angler, neben Kohl und Zwiebeln, Salvei und Dill, Würze von Aal und Schlei, als vorwaltend angetroffen haben. An ein Mehr wurde erst gedacht, als der Besitz des Schlosses, von dem des Dorfes streng geschieden, in andere Hände übergegangen war. Es waren dies die eines Barons von Humboldt, der gegen die Mitte des 18. Jahrhunderts hier Eigen­tümer wurde. Ihm lag es, der Richtung der Zeit gemäss, nahe, den Um­kreis seines neuen Heims durch Gartenanlagen zu verschönern, eine Aufgabe, der er sich mit Eifer und durch die Üppigkeit des vorhandenen Baumwuchses wesentlich unterstützt, hingab. Dazu kam noch wirk­samere Anregung und Förderung. Ein Forstmann von ungewöhnlicher Begabung, von Burgsdorf, war wenig später in die Tegeler Oberförsterei eingezogen, Gutsherr und Grünrock befreundeten sich zu gemeinsamem Wirken, dessen Ergebnis in erster Linie ein Zuwachs landschaftlicher Verschönerung werden musste. Mit Burgsdorf begannen vollständig neue Ideen im Bereich der Forstwirtschaft sich zu regen. Er schrieb in Tegel u. a. seine klassischen Bände, die Naturgeschichte von bliche und Buche behandelnd. Ganz andere Geister als die unter seinem Dache polternden, jener von Goethe im Faust verewigte Spuk, begannen sich Bahn zu brechen und gingen in Wald und Flur neugestaltend um. Bereicherung unserer Forsten durch fremdländische, namentlich nordamerikanische Baumarten wurde zuvörderst von hier aus, für Preussen zuerst, in grösserem Maassstabe betrieben. Ein Herr von Wangenheim, der als Offizier in Amerika gegen die junge Republik kämpfend, die Vorzüge der transatlantischen Sylva kennen gelernt hatte, lieh bei solchen Neu­einführungen hilfreiche Hand. Die noch gangbaren Namen deralten und derneuen Baumschule in dem damals nach Heiligensee genannten Revier erinnern jetzt noch, wenn auch verwildert, an diese Bestrebungen, denen der grosse Botaniker Willdenow nicht fern stand. Im Anschluss hieran stehen zwei schöne Buchenkampe, ein grosser, lange Zeit ertrag­reicher Weinberg, vor allem aber majestätische Lindenalleen und sonstige Baumreiheu nahe bei Tegel. Eine von letzteren und zwar die bekanntere, den Schlossgarten flankierend, datiert allerdings erst vom Jahr 1818. Sie war gepflanzt worden in der Absicht, dem von seinem langjährigen Gesandtschaftsposten aus Rom heimkehrenden Wilhelm von Humboldt eine Überraschung zu bereiten. Zur Zeit werden Parzellierungen und