Heft 
(1900) 9
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5. (3. ausserordentliche) Versammlung des IX. Vereinsjahres.

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Neubauten auf der Feldmark an ihr entlang wohl auch neben den ent­stehenden Villen für neue Gartenanlagen Raum schaffen.

Mit welcher, jetzt leider oft vermissten Pietät die Vegetation um Tegel gehütet ward, davon liefert den Beweis ein mächtiger, sehr alter Fliederstrauch dicht am Schlosse, welchen man beim Umbau des letzteren durch Schinkel und Kantian, 1821, mit vieler Mühe sorgfältig schonte. Noch zur Stunde beschattet derselbe, blütenreich in jedem Frühjahr, ein anheimelndes Ruheplätzchen für die Insassen des an Kunstschätzen so reichen Baues.

Vorüber an der wohl tausendjährigen Eiche, deren gewaltiger, sie wie ein Netz umklammernder Epheu leider im Absterben ist, führt der Weg zu der tannenumhegten, weihevollen Grabstätte der Humboldtschen Familie und ihrer Angehörigen anderen Namens, welche von der durch Thorwaldsens Meisterhand geschaffenen Statue der Spes, auf hoher Säule thronend, überragt wird. Hier betreten wir, von Ehrfurcht durch­schauert, die Stätte eines friedlichen Heroenkultus, die noch unentwegt ihren alten Zauber ausübt, während sie auf ihrem Sande die Fussspuren verständnisvoller Pilger, selbst aus fremder Zone, für immer bewahren wird.

Wer gedenkt hier nicht jener schönen Worte Fontanes, die den Ent­schlafenen des stillen Ortes eine eigenartige, bei uns selten anzutreffende Geistesrichtung vindizieren. Während die Friedhöfe märkischer Edelsitze fast ausschliesslich den Extremen entweder absoluter kirchlicher Gläubig­keit oder Voltairescher Frivolität dienstbar sind, gehört dieser dem Aus­druck eines bescheidenen, nicht unfrommen Zweifels, der vom Jenseit nichts Sicheres wissen will, aber auch den Unsterblichkeitsglauben nicht ab­weisen mag und sich deshalb allein unter die Ägide der Iloffnnng stellt.

Wer sich in und bei Tegel umschaut, dessen Auge trifft auf viel­fache und lebendige Beweise von unvermindert fortlebenber, ja sich steigernder Liebe zum Gartenbau. Wie duftet und blüht es nicht in den kleinsten Vorgärten, besonders aber um die Villen herum, wenn auch nicht überall in so reichem Maasse wie in dem mit eigener Hand gepflegten Garten der Frau Geheiinrat Lapierre, einer überaus eifrigen Pflanzen­freundin. In gleichem Sinne bethätigt sich jetzt die Gutsherischaft vermöge ausgedehnter Neupflanzungen, deren Pflege niemand anders besser als Herrn Rolide an vertraut werden konnte. Überall mahnen alte Bäume an die Vergangenheit, überall schmücken Blumen und junges Grün neben gedeihenden Obstplantagen eine lebensfrohe Gegenwart. Selbst vor die Pforten der rauchgeschwärzten Werkstätten Vulkans pflanzt man Gruppen von Rhododendron und exotische Coniferen. Zwischen Gluten und Schweiss soll Arkadien nicht ganz vermisst werden. Es besteht hier also fort und fort ein Kultus ländlicher Gottheiten, Floras und Sylvans, nur wandelt derselbe sich nach Zeit und Ort, ohne jedoch aus den Aspi­rationen von Menschengeist und Volksseele je ganz zu verschwinden.