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Friedrich Werwach:
(vergl. Märkische Forschungen, Band 14, Seite 8*26). Diese auffällige Erscheinung ist wohl in dem Umstande begründet, dass die Reformation in Kremmen anscheinend erst spät — der erste evangelische Prediger wurde dort 1566 votiert — eingeführt worden ist.
In den 50er Jahren des 16. Jahrhunderts haben noch mehrere Kremmener in Frankfurt a. 0. studiert, und in der Folge nimmt auch unter ihnen das Streben nach akademischer Bildung zu. Wir glauben dies auf die Thätigkeit der beiden ersten evangelischen Prediger dieser Stadt, Jakobus Pascha und Jakobus Schröder, die dort von 1566 bis 1573 bezw. von da bis 1603 gewirkt haben, zurückführen zu können. Von dem Chronisten Johann Grüwel werden diese in seiner „Kremmischen Schaubühne“ als gelehrte Männer bezeichnet. Wie es seiner Zeit vielfach unter den Geistlichen geübt worden ist, werden es sich auch diese beiden haben angelegen sein lassen, viele Schüler mit der für das Universitätsstudium nötigen Vorbildung auszustatten. Die Zusammenstellung giebt uns aus den Jahren 1550 bis 1603 37 Studenten bekannt, worunter sich auch 2 Söhne des Predigers Pascha und 4 Söhne des Predigers Schröder befinden. Welche Entbehrungen musste sich die letztere Familie in Folge der Ausbildung ihrer Söhne auferlegt haben? Denn die ersten Prediger der Stadt hatten nur ein sehr geringes Einkommen, und zwar, was sie jährlich aus der Nutzung von 4 Hufen Land, einem Garten und einem Scheffel Roggen von jeder Hufe der Ritter- und Bürgerschaft gewinnen konnten. Nur geringe Gebühren wurden ihnen für Amtshandlungen bei Leichenbegängnissen gewährt, wogegen sie die Austeilung der Sakramente unentgeltlich besorgten.
Im Anfänge des 17. Jahrhunderts belindet sich die Zahl der Kremmener Studenten im Rückgänge. Man wird nicht fehl gehen, hierfür die Gründe in den bedeutenden Bränden der Stadt in den Jahren 1606 und 1607 zu suchen. Denn der Wiederaufbau der Gebäude hat die verbliebenen Mittel vollständig in Anspruch genommen und die meisten Bürger werden sich nicht mehr haben gestatten können, ihren Söhnen eine derartige, ohne Kosten nicht angängige, Ausbildung angedeihen zu lassen.
Der 30 jährige Krieg und seine Folgen haben ihre Wirkung auf den Besuch der Universitäten nicht verfehlt, sie ist bezüglich der Kremmener Studenten recht bemerkbar. Von ihnen finden wir auf deutschen Universitäten während der Jahre 1618 bis 1648 nur 5. Diese geringe Zahl hat auch ausserdem unzweifelhaft ihren Grund in dem im Jahre 1630 stattgehabten Brande der Stadt, der sie ganz in Asche legte und die Bürgerschaft grösstenteils in Armut brachte. In ihren wirtschaftlichen Verhältnissen ist erst mit Beendigung des Krieges eine Besserung eingetreten, und damit wird auch wieder das Interesse für die Universitätsstudien rege. Hierzu hat aber besonders der im Jahre 1646 zum Rektor der