Heft 
(1900) 9
Seite
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Nieilergörsdorf bei Jüterbog, eine Dorfchronik.

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Das Einkommen des Pfarrers bestand in 2 Hufen Landes, item 2 llufen Landes samt dem halben Getreidezehnten auf der wüsten Mark Ileinstorf, die 30. Mandel vom Getreidezehnten, die 30. Bothe vom Fiaohszehnten, den 3. Theil vom Fleischzehnten, 4 Pf. Opfergeld jährlich von jeder Person, die communiciert, 3 Rauchhühner von der Gemeinde zu Niedergörsdorf, 1 Gr. vom Begräbnis, 1 Gr. vom Kindtaufen, 6 Pf. vom Einleiten, 2 Gr. vom Aufbieteu und Copul- ieren. Vom Filial 1 Hufe Landes, die Accidentia wie oben.

Inventarium der Pfarre: 1 jähriges Schwein, 1 böser Wagen, 1 Pflug ohne Eisen und Rade, 1 böse Egden, 2 Schweinetröglein, 10 alte Hühner, die Wintersaat. 2 Wispel 10 Scheffel Roggen waren ihm von seinem Vorgänger überwiesen und sollten ihm bei seinem Abgänge erstattet werden.

Es waren damals in Niedergörsdorf 20, in Wölmsdorf 7 Haus­wirte. In beiden Dörfern haben die Bauern ziemlich beten können. Magister Grossanus hatte (50 Fl. verbaut, von denen er 15 Fl. zurückerhielt. Damals wurde auch ein Streit mit dem Pfarrer in Kaltenborn beigelegt, welcher sich 4 Hufen Landes von Ileinstorf, welche die Niedergörsdorfer bebauten, beziehentlich den Zehnten angeeignet hatte. Es wurde zu gleichen Teilen entschieden, der Pfarrer in Niedergörsdorf hat aber zum Protokoll geschriebenMit Unrecht.

3. Berthold Herold aus Hii-schberg in Schlesien studierte 1553 in Leipzig und Wittenberg, wurde 1589 ins Pfarramt berufen. Er hat die Bauern civilisiert und ist 1001 gestorben.

4. Joachim Pelichen, Sohn des Pfarrers von Nicolai, wurde 1602 hiesiger Pfarrer. Im 30jährigen Kriege plünderten ihn die Kaiser­lichen zweimal. Die Schweden reichten ihm den Schwedentrank. In seinen Postillen nennt er sich einen Märtyrer Christi.

5. Emmanuel Bethulius wurde am 1. April 1002 geboren, studierte in Wittenberg, war dann 8 Jahre Informator in Meissen und wurde von dort durch Kurfürst Georg von Sachsen hierher berufen. Er führte einen leichten Lebenswandel. Zu einem Gastmahl liess er die Glocken läuten, den Puppenspielern erlaubte er eine Vorstellung in der Kirche. Als er des Ehebruchs überwiesen war, wurde er degradiert und aus dem Lande verwiesen.

Der Pastor Amende sollte sein Nachfolger werden, er schlug die Stelle aber aus in der Furcht, dass ihm das Haus über dem Kopf angesteckt werden möchte.

0. Andreas Pauli aus Jüterbog, Informator bei den Klitzows, 1000 hierher berufen, heiratete die Tochter des Bürgermeisters Emme in Jüterbog, fiel 1009 tot vom Pferde und liegt hier begraben.