Heft 
(1900) 9
Seite
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Niedergörsdorf bei Jüterbog, eine Dorfchronik.

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19. Über den Pfarrer R. Besser, welcher nur ein Jahr amtierte, fehlen Nachrichten. Er starb am 6. September 1876 infolge einer Er­hitzung, welche er sich bei der Feier des Dennewitz-Tages zugezogen hatte.

20. Seit dem (j. September 1877 ist durch Gemeinde wähl Eduard Zimmermann Pfarrer der hiesigen Gemeinde.

Es sei noch bemerkt, dass sich für den gewöhnlichen Umgang der Leute der Name Magister für Pastor erhalten hat; die Bezeichnung Prediger oder Pfarrer ist nicht gebräuchlich.

Einkommen des Pfarrers.

Das Einkommen des Pastors hat sich in der Zeit verschoben und

in den Accidentien erhöht.

Es wurden gezahlt:

für eine Taufe.2,25 M.

für eine Trauung.9,00

für ein Aufgebot.3,50

Diese Einnahmen sind mit einer Rente von 93,40 M., und zwar 62,00 M. aus dem landesherrlichen Fonds und 14,80 -f- 16,00 M. aus den Mitteln der Kirchengemeinde (Umlage), seit 1892 abgelöst.

Für Leichen sind zu zahlen:

1. grosse Leiche mit Abdankung 6,00 M.

2. kleine Leiche.4,50

3. Abdankung.2,25

4. Segensleiche.1,50

Vor der Reallasten-Ablösung wurde gezehntet:

Der Fruchtzehnt nach der Zahl 30, ebenso Halmfrüchte und Flachs der 30. Bund. Kartoffeln und Rüben die 30. Reihe. Auf der wüsten Mark Ileinrichsdorf galt die Zahl 60.

Der Fleischzehnt an Gänsen, Lämmern, Ferkeln wurde auch nach der Zahl 30 erhoben und der Rest im nächsten Jahr weiter gezählt.

Der Erbkrüger gab alle drei .Jahre das 6., 16,26. Lamm und wurde nicht weiter gezählt. Die Höfer Gottlob Freidank und Gottlob Müller entrichteten jährlich 2 Rauchhühner, Martin liecht alle 3 Jahre einen Hahn. Für Wölmsdorf galten dieselben Sätze. Der Pfarrer war unter diesen Verhältnissen gezwungen, eine eigene Landwirtschaft mit 4 Pferden zu führen, wodurch Kraft und Lust zum Amte gefährdet wurden, während ihm auch wieder ein Mitfühlen mit den Bauern erleichtert wurde.

Um den Belästigungen bei der Einziehung des Zehnten zu entgehen, schloss der Pfarrer Wassmann im Jahre 1856 einen Vertrag mit den