Niedergörsdorf bei Jüterbog, eine Dorfchronik.
173
wird lohend hervorgehoben. An Heizungsmaterial lieferte Niedergörsdorf 3 Klafter Holz, Wöltnsdorf 1‘,'j Klafter; doch sollte Wölmsdorf 2 Klafter geben. Im Jahre 1838 ist das Schulgeld für jedes Kind auf 1 Thaler festgesetzt worden und zwar bei der Anstellung des Schullehrers Johann Gottfried Daniel Schulze. Früher zahlte ein Kind aus Niedergörsdorf 25 Sgr., aus Wölmsdorf 15—20 Sgr. Der alte Lehrer Müller wurde emeritiert und erhielt ganze 43—4(i Thaler Emeritengehalt. Zu dieser Zeit hat auch ein Erweiterungsbau der Schule stattgefunden. Das alte Haus war sehr niedrig und eng; es hatte für den Lehi-er nur eine Stube und ein Stubenkämmerlein, wie Kaum für 3 Stück Rindvieh. Das erweiterte Haus mit Strohdach und Eingang vom Giebel war 48 1 ;! Fuss lang und 27 l /i Fuss breit. Es hatte eine Schulstube für (JO Kinder, für den Lehrer eine Wohnstube, Küche, Speisekammer und noch 2 Kammern, dann Schweine- und Kuhstall und war in Fachwerk erbaut. Im Jahre 1854 ist dann ein ganz neues Schulhaus aufgeführt worden und zwar in massiven Bau und übersetzt. Der Lehrer hat nun bis zur vollen Anstellung eines 2. Lehrers 4 heizbare Räume und 2 Küchen nebst Speisekammern in Gebrauch. In einem besonderen Stalle hat er Gelass für Brennmaterial, Rindvieh und Schweine. Ein Übelstand ist, dass er keinen Ilausgarten in der Nähe hat.
Der Lehrer G. Schulz hat die Schule 48 Jahre verwaltet. Derselbe hatte ein Seminar nicht besucht und stammte aus ärmlichen Verhältnissen her; er pflegte zu erzählen, wie er mit seinem Vater, der auch Lehrer war, in den Wald gegangen sei, um Brennholz zu sammeln und auf der Karre nach Hause zu bringen. Diese Einfachheit hat er auch bis an sein Ende bewahrt. Er ging meist 'in geflickter Kleidung und Holzpantoffeln einher, und weil er ein starkes krauses Haar besass, benutzte er auch selten eine Mütze. Eine drollige Verlegenheitsgeschichte pflegte er gern zu erzählen. Als angestellter Lehrer wollte er sich zu Pfingsten in seiner Heimat zeigen und liess sich dazu einen billigen Sommeranzug anfertigen. Die Reise machte er zu Fuss und wurde auf derselben von einem heftigen Gewitter überfallen und ganz durchnässt. Als er im Fest die neue Kleidung, welche getrocknet worden war, anziehen wollte, ergab es sich, dass dieselbe nur den halben Arm und die halbe Wade bedeckte. So musste er mit vieler Beschämung eine klägliche Figur spielen. Er hatte das Unglück, seine Ehefrau zu verlieren; aus seiner zweiten Ehe erwuchs ihm wegen der Stiefkinder manche Unruhe. Gern ging er in Gesellschaft, verhielt sich aber bei seinem Glase Braunbier schweigsam. Seinen Amtspflichten kam er mit grosser Treue nach und versorgte die Turmuhr, welche damals auf dem obersten Boden des Turmes stand, so dass sie im Winter besonders nicht ohne Gefahr zu erreichen war, mit grosser Pünktlichkeit. Seine Leistungen in der Schule waren immerhin befriedigend; er war so ein Original. Bei einer Schul Visitation hatte er