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Pastor Zimmermann:
nicht ohne Geschick vom Löwen gehandelt, und nun holte er die Abbildung eines solchen hervor mit der Bemerkung: Seht, Kinder, der sieht doch aus wie ein Moppel. Seit seinem Tode im Jahre 1884 hat ein häutiger Wechsel der Lehrer stattgefunden. Zwei derselben sind der Schule zum rechten Segen gewesen, aus der Zahl ihrer Schüler sind 6 zum Lehrerstande übergegangen, einer derselben ist Prokurist in Berlin, mehrere sind geschickte Handwerker geworden. Anstatt der Kinderfeste, welche nur zu oft Anlass zum Neid gilben, sind Ausflüge nach merkwürdigen Orten, z. B. Stadt Zinna, Luckenwalde, Wittenberg, Treuen- brietzen, Berlin, in Aufnahme gekommen. Die Schule besitzt ein Musikkorps aus Trommlern und Pfeifern und lässt den Tag von Dennewitz nicht ohne patriotische Feier vorüber. Durch den Lehrer ist die Wohlanständigkeit besonders gefördert. Die Knaben grossen militärisch, und die Mädchen verfehlen nicht, einen Knix zu machen. Die Gemeinde hat an diesem Thun ihrer Kinder grosse Freude und auch für die Wohlanständigkeit der Knechte ist viel gewonnen.
Art und Lebensweise.
Die Einwohner hiesiger Dörfer haben ihre niederländische Art und Sprache in etwas bew ahrt. Sie sind nüchtern, ernst, bedächtig, für Neuerungen schwer zugänglich. Die Tracht der Männer bestand in einem spitzigen Ilute mit niedergeschlagener Krempe und nach Sitte holländischer Bauern, in Wadenstrümpfen und Schuhen. Nach der Reformation suchte sich die spanische Tracht einzubürgern, ivelche aber öfters untersagt wurde. So heisst es in der Schulordnung von 1560: „Die Kinder sollen keinen spanischen Hut mit Pferdeschwänzchen tragen.“ Die Knebelbärte waren in der Mode. Die Kleidung der Frauen war sehr derb und auch teuer. Das Kleid bestand aus einem Tuch rock und einer gleichen Jacke mit bauschigen Ärmeln (Hammelkeule). Die Röcke wurden ziemlich kurz getragen, doch nicht so kurz wie in den sogenannten Buschdörfern am Abhang des Fläming, von denen der Vers gilt: „Das Mädchen ist von Jüterbog; das Hemd ist länger wie der Rock.“ Eine blanke leinene, auch wohl eine breite, farbige, seidene Schürze, Strümpfe mit blauen Zwickeln und lederne Pantoffeln gehörten zmn Putz. Eigentümlich w r ar der Kopfputz für Jung und Alt. Er bestand bei jungen Mädchen in einer rotbunten, bei Frauen in einer schwarzen oft mit Proben besetzten Kappe, um welche ein rotes oder weisses Tuch so geschlungen wurde, dass seine Zipfel die Gestalt von Flügeln annalnnen. Sommer und Winter wurde beim Kirchgang und bei Feierlichkeiten eine kurzhaarige, grosse und steife Muffe getragen. Die Mädchen gingen zum Tanz in kurzen Hemdärmeln, welche nach der Achsel hin aufgebauscht waren und Puffkädel genannt wurden. Die alte Mode ist jetzt so ziemlich gewichenT'fc'rau Hüfner Zwanziger und die Schmiedefrau Brachwitz haben sie am längsten