Heft 
(1900) 9
Seite
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Niedergörsdorf bei Jüterbog, eine Dorf Chronik.

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Sonst fliesst das Leben ziemlich eintönig hin. Am Sonntag wissen die jungen Burschen nicht recht etwas anzufangen und sitzen in der Schenke. Die schlechte Sitte, dort die Kopfbedeckung aufzubehalten, fangt an, einer besseren Art zu weichen. Die jungen Mädchen pflegen sich nur am llimmelfahrtstage an einem Gange durch die Felder zu ergötzen, sonst haben sie stets zu tliun, auch am Sonntag.

Geschichtliches.

Fast alle wichtigeren Ereignisse der deutschen Geschichte haben die hiesige Gegend mitberührt. Karl der Grosse ist auf seinem Zuge nach Lebus und an die Oder etwas nördlich über Frankenförde und Frankenfelde vorbeigezogen, weil er die starke Veste der Wenden, Jüterbog, nicht angreifen mochte. Erst mit der Einwanderung der Flämiger beginnt eine bessere Zeit. Unter Albrecht dem Bären und dem Erzbischof Wichmann von Magdeburg wurde die Macht der Wenden auch in Jüterbog gebrochen, und in dieser Magdeburgischen Zeit, 1160 bis 1685, hat sich der Wohlstand bedeutend gehoben. Das sanfte Scepter des Krummstabes war für den Landmann in keiner Weise drückend; nicht wie in anderen Gegenden hatten die Bauern ihre Bedrücker in der Nähe, die Abgaben waren erträglich, Recht und Gerechtigkeit standen in guter Übung. Natürlich wurde von Magdeburg aus für die geistliche Pflege sehr gesorgt. In den dicht gesäeten Dörfern erhoben sich überall die schönen Kirchen in ihrer festen Bauart und die Pfarreien wurden genügend dotiert. Die Abgaben wurden an das Kloster in Zinna, an das Nonnenkloster in Jüterbog und an das dortige Amt entrichtet, und man unterschied Kloster-, Nonnen- und Amtsdörfer.

Niedergörsdorf war ein Amtsdorf, Wölmsdori zehntete dem Kloster Zinna. Wölmsdorf, welches von jeher filia von Niedergörsdorf gewesen zu sein scheint, hiess ursprünglich Weimarsdorf und war bis 1225 das Eigentum eines gewissen Gottfried von Spandau und eines gewissen Heinrich von Eipe. Von diesen wurde es vom Kloster Zinna gegen einen erblichen Zehnt erworben und wurde dann eine preussische Enclave. Die Loslösung von der Superintendentur Luckenwalde ist erst 1816 angebahnt worden, und 1848 hören in den Kirchenrechnungen die Beiträge zur Gesetzsammlung der dortigen Superintendentur auf zu erscheinen. Der Pfarrer in Niedergörsdorf hatte es demnach mit zwei Superintendenten zu tliun. Es bestanden aber auch sonst noch eigentümliche Vex-hältnisse. Wölmsdorf wurde häufig der Zufluchtsort für diejenigen, welche nach den strengen sächsischen Gesetzen mit dem Staubbesen des Landes ver­wiesen wurden. Kam das Dorf hierdurch in üblen Geruch, so hatte es doch auch wiederum den Vorteil, billige Knechte zu gewinnen, da die jungen Burschen aus den sächsischen Dörfern nach Wölmsdorf zogen, um der Aushebung zum Militär zu entgehen. Der hiesige Pfarrer hatte