Heft 
(1900) 9
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0. (3. ordentliche) Versammlung des IX. Vereinsjahres.

gangen. Rudolf Virchows bahnbrechende Untersuchungen über die heidnische Vorzeit unserer Gegend sind so bekannt, dass sie einer besonderen Anerkennung unsererseits kaum bedürfen. Der Vorstand hat ein herzliches Glückwunschschreiben an das Jubelpaar gerichtet. Möge Herrn Virchow, welcher zu den besten Kennern unserer branden- burgischen Heimat gehört und den wir als Berliner und Brandenburger mit Stolz den uuserigen nennen, noch eine lange Reihe fruchtbringender Jahre in ungetrübter körperlicher und geistiger Frische beschieden sein.

V.Die Volksbibliotheken und Lesehallen der Stadt Berlin L8501900. Von Dr. Arcnd Buchholtz, Bibliothekar der Stadt Berlin. Festschrift zum fünfzigjährigen Bestehen der Volks­bibliotheken. 1. August 1900. 115 S. 4° Als Vorsitzender der Städtischen Volksbibliotheken seit 1874 überreiche ich ein Exemplar dieses buchdruckerisch altertümlich ausgestatteten Werkes für die Bücherei. Dasselbe ist mit einem Bilde Friedrichs von Räumers, des eigent­lichen Begründers der Städtischen Volksbibliotheken und der neuen schön eingerichteten Lesehalle in der Glogauer Strasse ausgestattet. Für die Kulturgeschichte und Ortskunde Berlins enthält die Arbeit nebenher eine Menge interessanter, zum Teil neuer Angaben. Typographisch stellt sich das Buch als eine mustergiltige Leistung der auch sonst rühmlich be­kannten Kunstdruckerei Otto von Holten» dar. Dem Berliner Fremden­blatt vom 10. d. M. entnehmen wir nachträglich folgende Einzelheiten:

Hat auch der Konsistorialrat zu Castell Heinrich Stephani, der leidenschaftliche Vertreter des Rationalismus auf theologischem und pädagogischem Gebiete bereits im Jahre 1797 vom Staate gefordert, er solle zur weiteren eigenen Ausbildung Volljähriger nach Verlassen der Schule Volksleseanstalten einrichten mit guter Nahrung für Kopf und Herz und erregten auch seine Vorschläge die Aufmerksamkeit des damaligen Präsidenten der pommerschen Regierung, späteren Ministers von Massow, des Nachfolgers von Woellner in der Leitung des Ober- scluddepartements, so blieb es doch nur bei der platonischen Bewunde­rung. Fürchtete doch Massow, es würden sichbei jetzigen Zeiten des Freiheitsschwindels bald böse Ratgeber linden und ihnen die vom Staat autorisierten Bücher verdächtig machen, um andere in Umlauf zu bringen. Im übrigen war seine Ansicht die, der Bauer und Hand­werker solle sich mit Bibel, Gesangbuch, Katechismus begnügen und allen­falls noch einen Volkskalender lesen. Lange Zeit hindurch musste in Berlin einzig und allein die nicht gerade gesunde und immer zuträgliche Nahrung der Leihbibliotheken das Lesebedürfnis der kleineren Leute be­friedigen. Gründungen, wie sie der Prediger zu St. Marien, Emil Gustav Lisco, oder der bekannte fruchtbare Jugendschriftsteller Ferdinand Schmidt ins Leben rief, konnten nur einem kleinen Kreise zu Gute kommen. Versuche des Volksbibliothekenvereius, der 184 gegründet w urde, zeitigten