Heft 
(1900) 9
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(5. (3. ordentliche) Versammlung des IX. Vereinsjahres.

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kaum bessere Ergebnisse: eine Zahl kleiner Bibliotheken entstand, die nach einigen Jahren kümmerlichen Daseins eingingen. Erst der grosse Geschichtsschreiber und Staatsmann Friedrich von Raumer mit Recht ist daher seinem Gedächtnis die Festschrift gewidmet sollte hier völligen Wandel schaffen. Eine Reise Räumers nach Nordamerika im Jahre 1841 hatte die unmittelbare Anregung gegeben. Der grosse Historiker er­zählt selbst darüber:

Während einer Fahrt auf dem Mississippi, in einem Gespräch mit Landleuten und Handwerkern, wäre er erstaunt gewesen, wie gut sie in den Lebensbeschreibungen Plutarchs Bescheid gewusst hätten. Aus ihrem Munde erfuhr er, dass in den einzelnen Ortschaften Volksbibliotheken vorhanden wären uud in den grösseren Städten wissenschaftliche Vor­träge gehalten würden. Dieses eine Erlebnis, das ihn veranlasste, die Volksbibliotheken in einigen amerikanischen Staaten anfzusuclien und Voi- träge mitanzuhören, legte ihm den Gedanken nahe, ähnliches in Berlin zu gründen.

Am 5. Dezember 1841 trat, von Raumer berufen, eine glänzende Korona von Vertretern der Berliner Gesellschaft zusammen und stiftete denVerein für wissenschaftliche Vorträge. Die Vorträge fanden in der Singakademie statt. Den Reigen eröffnete am 8. Januar 1842 Raumer mit einer Einleitungsrede, worauf Lichtenstein über Südafrika und dessen Tierwelt sprach. Humboldt schreibt über die Vorlesungen, die eine ausserordentliche Anziehungskraft ausübten:Der Wechsel der Organe und Personen hat etwas Unterhaltendes und Pikantes. Es ist wie eine Musterung der Talente, der rednerischen und Sachtalente, welche eine Stadt besitzt. Schon nach wenigen Jahren hatte der Verein dank der alle Erwartungen übertreffenden Teilnahme des Publikums und der Un­eigennützigkeit der Vortragenden Ersparnisse von 18 000 Mark an­gesammelt. Auch hier war es wiederum Raumer, der für ihre Ver­wendung dem Verein die Wege wies. Er schlug vor, 12 000 Mark aus den Mitteln des Vereins zur Gründung von 4 Volksbibliotheken in Berlin zu bestimmen und je nach dem Erfolge und der Erfahrung auch noch weitere Zuschüsse in Aussicht zu stellen. Der Magistrat nahm den Vorschlag mit lebhafter Teilnahme an (5. August 1846) und entsandte den Stadtschulrat Schulze zu den Verhandlungen mit dem Verein. Nachdem die Schuldeputation geeignete Räume in städtischen Schul­gebäuden vorgeschlagen hatte, erfolgte bald die Zustimmung des Magi­strats und auch der Stadtverordneten -Versammlung (20. Mai 1847). Aber die Königliche Genehmigung zur Annahme des vom Verein an­gebotenen Geldgeschenkes (zur Gründung von Volksbibliotheken) liess lange auf sich warten; sie erfolgte, obwohl sich der Prinz von Preussen ins Mittel legte, erst am 8. Juni 1849. Der Minister von Ladenberg und im Aufträge von Manteuffels der Ministerialdirektor von Puttkamer

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