Heft 
(1900) 9
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6. (3. ordentliche) Versammlung des IX. Vereinsjahres.

richteten am 22. Juni 1840 auch noch an (len Verein seihst ein Schreiben folgenden Inhalts:

Es ist eine ganz neue Schöpfung, welche hier ins Lehen gerufen wird, und die Erspriesslichkeit ihrer Erfolge noch etwas überaus Zweifel­haftes. Wir fühlen uns daher aufgefordert, den Verein noch besonders angelegentlich zu ersuchen, des Gewichtes der Sache bei der ihm vor­behaltenen Auswahl der Mitglieder-Verwaltungskonunission gedenk zu sein und bei der Auswahl der Bücher neben dem bisher so rühmlich bethiitigten Interesse für die Hebung der Intelligenz und der Moralität der hier in Betracht kommenden Schichten der Bevölkerung und der öffentlichen Ordnung, der Religiosität und der Sitte eine wohlwollend geneigte Rücksicht zu nehmen.

Der Eröffnung der Bibliotheken 'standen nunmehr keine Bedenken im Wege, wenn sich nicht im wissenschaftlichen Verein selbst eine Gegenströmung geltend gemacht hätte. So schrieb der Botaniker Link, der Nutzen der Volksbibliotheken wäre ihmnie recht klar geworden. Schon wollte man dem Zoologischen Garten eine Dotation von bOÜO Mk. bewilligen; aber Raumer, der damals in Frankfurt a.M. als Abgeordneter weilte, protestirte, obwohl auch er die Erhaltung des Zoologischen Gartens für wünschenswert hielt, in seiner drastischen Weise:Das ganze Er­gebnis wird, wenn nicht Stadt und Staat grössere nachhaltige Mittel gewähren, nur darin bestehen, dass man die Tiere einige Monate später verkauft oder totschlägt und ausstopft. Wäre aber auch diese Ansicht ganz irrig, so kann ich dennoch jenem Vorschläge nicht beistimmen. Qui embrasse tout, ne train rien, sagt ein verständiges französisches Sprichwort . . . Im Ganzen erhielten die Volksbibliotheken aus den Mitteln des wissenschaftlichen Vereins in den Jahren 1847 bis 1879 zu­sammen 88 000 Mk. Raumer selbst gab aus eigenen Mitteln bUOO Mk. zur Errichtung einer Volksbibliothek in Moabit her.

So konnte denn die ständige Kommission, welche die Gemeinde­behörden für die Errichtung und Verwaltung der Volksbibliotheken schon im Jahre 1847 eingesetzt hatten, an die Arbeit gehen. Der wissenschaft­liche Verein hatte neben Raumer den Zoologen Lichtenstein, den Be­gründer des Zoologischen Gartens, und den Statistiker Dieterici dazu abgeordnet. Von den Stadtverordneten, die in der ersten Kommission sassen, gehörten drei zu den bedeutendsten Buchhändlern: Karl Duncker (bald ersetzt durch J. Guttentag), Georg Reimer, Moritz Veit. Die Biblio­theken wurden gemäss dem Vorschläge der Schuldeputation in folgenden städtischen Schulgebäuden untergebracht: die erste mehr mit wissen­schaftlichen Werken ausgestattete im Friedrich-Werderschen Gymnasium, die drei anderen in den höheren Stadtschulen (Realschulen) der Königs-, Dorotheen- und Luisenstadt. Die Ausstattung war so einfach wie möglich: einige einfache Spinden bildeten das ganze neubeschaffte Mobiliar.