Heft 
(1900) 9
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Zur Kunde des heimischen Jagdwesens.

an die niedere Umfassungsmauer des Bärengrabens gelehnt, er verlor das Ucbcr- gewicht und fiel hinab. Eine verbrecherische That erscheint ausgeschlossen.

_ B. T. Bl. 14. 4. 1896.

69) Über den Leichenfund im Bärengraben zu Bern wird uns in Ergänzung unserer telegraphischen Mitteilungen von unserem Berner Korrespondenten geschrieben: Heute iMittwoch) Morgen, ein Viertel vor 6 Uhr es war schon Tag ging ein Arbeiter bei dem allen Fremden wohlbekannten Bilrengrabcn vorbei. Er blickte schnell in den Graben hin­unter. Wie gross war sein Erstaunen, als er auf dem Steinboden einen menschlichen Kadaver liegen sah, an dem die beiden Bären, zwei grosse, alte Tiere, begierig frassen. Der Mann war ganz entbUisst, die Bären hatten ihm alle Kleider, mit Ausnahme von Schuhen und Strümpfen, vom Leibe gerissen. Die blaue Blouse, die man fand, lässt auf einen dem Arbeiterstundc angehörenden Mann schliessen. Er ist etwa 30 Jahre alt und von kräftiger Statur. Kopf und Hals waren entsetzlich zerfressen, ein Arm und eine Hand war abgenagt bis auf die Knochen. Die Kopfhaut war losgeschält. Die Ftisse waren intakt, am Rücken zeigten sich manche, vom Anpacken her­rührende Wunden. Der Bürenwärter ist Festangestellter und hatte gerade Nachtdienst. Die Familie des Wärters wurde von dem Arbeiter, der den toten Mann entdeckt hatte, geweckt. Schnell war die Polizei und der Regierungs­statthalter v. llerenschwand zur Stelle. Die Tiere von der Beute zu ver­drängen, war jetzt das schwierigste. Man zündete ein Strohfeuer an, doch blieb dies ohne Eindruck auf die Tiere. Einer riet, Knallbonbons loszulassen; die Magazine, die Bonbons verkaufen, waren jedoch noch geschlossen. Man dachte daran, mit Feuerhaken den Toten aus der tiefen Rotunde zu heben. Dann kam man auf den Gedanken, die Hydranten gegen die beiden fleisch- und blutgierigen Tiere spielen zu lassen. Das geschah. Zuerst erhob das Männchen die schwere Tatze, um den Wasserstrahl abzuhalten. Endlich zogen sich die Tiere in den Stall zurück. Die eiserne Fallthür wurde hin­unter gelassen, und nun konnte man in den Bärengraben gelangen. Die Leiche wurde in einen grossen Korb gelegt und in die Leichenhalle trans­portiert. Auf den Kleidern fand man ein Notizbuch, ferner einen Massstab. Die Identität des auf so seltene Weise umgekommenen Arbeiters konnte noch nicht festgestellt werden, über den Hergang des Unglücks lassen sich bloss Vermutungen aufstellen. Die einen glauben, der Arbeiter sei betrunken über die nicht hohe Grenzmauer gestürzt, andere meinen, er könnte im Streite hinuntergeworfen worden sein. Der Vorfall muss sich in der Nacht ereignet, haben. Die Tochter des Bärenwärters war bis um Mittcrracht auf, sie hörte nichts. Vor etwa 30 Jahren ist auf gleiche Weise ein Engländer, Namens Lorch, umgekommen. Er hatte gewettet, er laufe auf der Umfassungsmauer des Bärengrabens herum. Er stürzte dabei in den Zwinger. In der Stadt Bern bildet das Ereignis das Gespräch des Tages. B. T. Bl. 8. 4.1896.

70) Unter dem 21. Juli 1899 berichtete etwas ähnliches der Berl. LoR. Anz. Ein Kampf mit Bären hat dieser Tage im bekannten Volksmuseum Skunsen in Stockholm stattgefunden. Schon vor einiger Zeit machten die