Zur Kunde des heimischen Jagdwesens.
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Hiiren den Versuch, ihren Wächter zu Überfallen, doch gelang es ihm, sich rechtzeitig zu retten. Seit dem Tilge gingen die Wächter nur zu Zweien und mit Stöcken bewaffnet in den Bärenzwinger hinein. Wie notwendig diese Vorsichtsmassregeln waren, sollte sich bald zeigen. Als die Wächter kürzlich am Morgen den Käfig betraten, um die Bären zu füttern, stürzte einer der Bären sich plötzlich auf den einen Wächter und warf ihn zu Boden. Dann griffen beide Bären den anderen Wächter an, der, während der andere Mann sich schleunigst flüchtete, um sich zu retten, ins Wasser sprang. Die Bären folgten jedoch nach, und im Wasser entstand ein wütender Kampf, während dessen Mann und Tier im Wasser verschwanden. Einigen in der Nähe arbeitenden Leuten, die den Lärm gehört und zur Hilfe eilten, gelang es mit grosser Mühe, den Unglücklichen aus den Klauen der Bären zu befreien. Er war jedoch sehr schwer verletzt und hatte über 30 Wunden erhalten. In sehr leidendem Zustande wurde er ins Hospital gebracht. Es ist jetzt den Wächtern verboten worden, sich in den Bärenkäfig zu begeben. Das Essen soll hineingeworfen, und wenn der Käfig gereinigt wird, sollen die Bären hinter einem starken Eisengitter eingeschlossen werden.
71) Erstaunlich und ergötzlich zugleich ist es, dass als später in denselben Bärenzwinger zu Bern eine wild gewordene Kuh geriet, die Bären vor ihr Kejssaus nahmen. Den ihnen bekannten Menschen verachteten die Bären; vor dem ihnen unbekannten gehörnten Tier aus dem Rindergeschlecht hatten sie dagegen eine lächerliche Furcht, obwohl sonst die schweizerischen Bären nicht selten Kühe töten und auffressen. E. Friedei.
71) Eine Parforcejagd im Grunewald im Jahre 1714 . Von Jagdschloss Gruncwald aus wird sich heute am Ilubertustage nach alter Sitte der Jagdzug in Bewegung setzen, um der auf frischer Fährte angelegten Meute zu folgen. In langem Jagdgalopp wird an der Spitze des roten Feldes der höchste Jagdherr, der Kaiser, dem hellen Geläut der Hunde im herbstlich gefärbten Forst folgen, in welchem vor fast 200 Jahren der Begründer der Parforcejagd im Grunewald, der Kurprinz Friedrich Friedrich Wilhelm, der grösste Jagdreiter und Jäger unter den Hohenzollern, die ersten Jagd geritten hat.*) Leidenschaftliche Jäger sind mit wenigen Ausnahmen alle Hohenzollern gewesen, und selbst unter Monarchen, wie Friedrich der Grosse, Friedrich Wilhelm III. und Friedrich Wilhelm IV. kam das edle Waidwerk insofern zu seinem liecht, dass in beschränktem Masse wenigstens Hofjagden abgehalten wurden. Je nach der herrschenden Mode war der Jagdbetrieb verschieden; bis zum Regierungsantritt des Grossen Kurfürsten dominierte „das Jagen und Schlagen“ hauptsächlich auf Hirsch und Sau im Hauptjagen. Aus einem 4—5 Quadratmeilen grossen Bezirk wurde das Wild zusammen- getrieben, mit hohen Tüchern eingestellt und dann in einem Tage auf einem
*) Die von mir s. Z. in „Wild und Hund“ veröffentlichten Bilder aus dem Jagdschloss Königs-Wusterhausen geben genauen Aufschluss über die Hetz und Parforcejagden jener Zeit.