Zur Kunde des heimischen Jagdwesens.
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vom Murstall, Syberg, Schwerin und Schlieben, dürften vergnügte Gesichter gemacht haben, hatte doch die kurze Jagd vermutlich kein Pferdefleisch gekostet. Die Berliner werden sich dann wohl an den harmonischen Klängen der sechs doppelt gewundenen Waldhörner erquickt haben, die der Oberjägermeister von Hertefeld eigens bestellt hatte, und „worauf die Jägerburschen sich in der Musik exerzieren sollten, aus dem Clevischen, weil selbige allhier nicht so tüchtig, auch nicht vor den Preiss verfertiget werden.“ Das Stück hat aber auch acht Thaler gekostet, „daneben vor den Kasten, worinnen sie angekommen, und zu anderen notdürftigen Aussgaben zwei Thaler, an Postgeld allhier t> Thaler, 1 Groschen und an Accise einen Thaler 8 Groschen,“
Berl. Lok. Anz. 3. Nov 1899. Genthe.
73) Ein Jagdabenteuer. Die gegenwärtige Zeit der Parforcejagden ruft die Erinnerung an ein interessantes Jagderlebnis des Prinzen Carl von Preussen, des Bruders des alten Kaisers Wilhelm, wach, das noch heute in Zehlendorf, am Schauplatz der That, durch eine Tafel verewigt ist. Es war am 20. November 1870, als auf einer vom Prinzen Carl von Preussen veranstalteten Saujagd ein handfester Eber aus dem Grunewald in das Dorf übcrlief und dort von dem Prinzen abgefangen wurde. Der mitanwesende Graf Hohenau II. wurde von dem gereizten Tier nicht unerheblich verletzt. Vor dem Gasthof des Kaufmann Thiele wurde Halali geblasen, der Eber aber wurde vom Prinzen Carl den Bewohnern Zehlendorfs geschenkt und noch am Abend auf der Thiele’sehen Kegelbahn ausgespielt. Als später auf dem erwähnten Platz eine an das Ereignis erinnernde Tafel mit einer in bunten Farben gemalten Jagdscene errichtet wurde, wohnten der Schwager unseres Kaisers, Erbprinz von Sachsen-Meiningen, Graf Hohenau und zahlreiche Offiziere der Berliner und Potsdamer Garnison dem feierlichen Akte bei. Der Platz vor der Gastwirtschaft wurde „Halali-Platz“ genannt, und als im Jahre 1880 ein Original \ v on Gastwirt, Namens Drenkow, die Gastwirtschaft übernahm, erhielt er, im Anklang an Homers „göttlichen Sauhirt“, den Beinamen „göttlicher Sauwirt“, und sein Lokal wurde die „Sauwirtschaft“ genannt. Welch’ urgemütliche Stunden dort verlebt wurden, davon wissen noch heute zahlreiche Zehlendorfer Einwohner ein Lied zu singen. Als Drenkow sein zehnjähriges Jubiläum als „Sauwirt“ feierte, liess er vor seinem Lokal eine Silberlinde pflanzen, die einige Jahre hindurch an das originelle Ereignis erinnerte. Jetzt ist der Baum längst eingegangen, und auch der „göttliche Sauwirt“ ruht schon geraume Zeit unter dem grünen Rasen. Nur das verblasste Jagdbild erinnert noch an den einstigen Überläufer, den hier ein preussischer Prinz abiing. Berl. Lok. Anz. 14. Nov. 1899.
74) Die Jagd und das Sprichwort. Dass das Wort „ Kneip e“ der Jägersprache entstammt, dürfte gewiss viele überraschen. Das Wort. „Kneipe“ ist der Sprache der Vogelfänger entnommen und bedeutet eine Spalte in einem Holze, welche klemmt und festhält, auch das Tellholz bei den Sprenkeln, wodurch die Vögel gefangen und festgehalten wurden. Sodann nannten die Vogelfänger auch die Schänkstuben „Kneipen“, in denen sie festgehalten wurden und mancher lockere Vogel gefangen wurde, Überhaupt sind aus