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Zur Kunde de« heimischen Jagdwesens.
der Jagdsportsprache viele Ausdrücke in die allgemeine Sprache Uhergegangen und finden noch heutigen Tages vielfache Anwendung, ohne dass der eigentliche Ursprung und die Bedeutung derselben gekannt wird. So bedeutet „Auf Knall und Fall“ den Schuss und das gleichzeitige Zusammenstürzen des Wildes. — „Einem die Haut über die Ohren ziehen“, bedeutet das Abbalgen des Wildes — „Eine feine Nase haben“ deutet auf die Spürnase des Jagdhundes hin. — „Sich drücken“ heisst so viel wie sich durch Xioderducken den Blicken des Jägers entziehen. — „Durch die Lappen gehen“ erinnert an das Umzäunen des Jagdgebiets mit Garn, Xctzen oder Tüchern, welche letztere, im Winde flatternd, das Wild vom Durchbruche abhalten sollten, oftmals aber ohne Erfolg. — „Prellen“ war früher ein beliebtes Waidmanns- vergnügen bei der Fuchsjagd, wobei der Fuchs auf straff gespannten Tüchern in die Höhe geschnellt und wieder aufgefangen wurde — Der Ausdruck „Auf den Leim gehen“ rührt von dem Vogclloim her, der zum Vogelfang benutzt wurde, und „Pechvogel“ hiess der, der an den Lciinruthen kleben blieb. — „Pfiffig“ war der Jligcr, welcher die Vogelstimmen zum Locken gut nachpfeifen Konnte und alle Pfiffe verstand. — „Ausgehetzt“ ist dasjenige Wild, welchem durch keine Hetze beizukommen ist. — „Eine wahre Hetzjagd“, „abhetzen“ sind heute viel gebrauchte Ausdrücke, wie sich überhaupt deren noch viele finden, die auf die edle Jligerei zurückzuführen sind.
Berl. Lok. Anz. 5. Okt. 181M».
75) Ein deutscher Nationalpark. Die als so materialistisch und über- mälssig praktisch verschrienen Amerikaner können uns dennoch auf manchem Gebiete als nachahmenswerte Muster von idealistischer und ilsthctischcr Denkart dienen. So bestehen dort schon lange die sogenannten Nationalparks, d. h. Landgebiete, die der Bebauung und der sonstigen Kulturbehandlung gesetzlich entzogen sind, um auch späteren Generationen Beispiele gewisser von der Natur geschaffener Bodenformationen mit ihren tierischen und pflanzlichen Bewohnern unverändert zu überliefern. Es ist sehr dankenswert, dass jetzt auf Anregung des Dr. Wetekamp im landwirtschaftlichen Ministerium Verhandlungen gepflogen werden, die die Schaffung eines deutschen Nationalparks in Aussicht stellen, so dass z. B. Wisent, Biber, Luchs, Elch, Nörz, Wildkatze u. a. in. der jetzt drohenden Vernichtung entzogen werden. Freilich wird dieser deutsche Nationalpark bei weitem nicht die Grösse der amerikanischen erreichen; hat doch z. B. der berühmte Vellowstonepark die Grösse der halben Provinz Westfalen, der Yosemitepark diejenige von Braunschweig und der wesentlich zur Konservierung der berühmten Manmmtlo bäume bestimmte Sequoiapark die Grösse des Hamburger Staatsgebiets; an die Freilassung solcher RiesenflUchen ist ja bei uns nicht zu denken, aber einige Quadratkilometer werden wir doch wohl erübrigen.
Berl. Lok Anz 6. Okt. 18f)ü.
76) Hierzu gestatte ich mir folgende Nachschrift. Einen Nationalpark in dem vorstehenden Sinne in Mitten von Deutschland anzulegen, worin auch die grüssern deutschen Kaubtiere als Wildkatze, Luchse, Wolf, Bär, frei herum laufen, ist einfach ein Unding und würde niemals genehmigt werden