Heft 
(1900) 9
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Zur Kunde des heimischen Jagdwesens.

können. Ein der Sache entsprechendes Unternehmen wäre es, den zum skandinavischen Volksmusenm und Freiland-Museum (vgl. No. 70) in Skansen hei Stockholm befindlichen Tierpark nachzuahmen. Dazu bedarf es eines malerischen wilden Berggeliindes mit schäumenden Bächen und grünen Matten; dort könnte man die schädlichen Tiere in grossen Gehägen, Bergen und die nützlichen Tiere sich noch freier bewegen lassen, jedenfalls unendlich viel ungezwungener als in den grössten Zoologischen Gärten. Dort könnte inan das Elch und den Auerochsen und den Biber ansiedeln. Dort müssten auch die Hauptvertreter der freiwillig wachsenden deutschen Baum- und Strauchwelt angepflanzt werden. In den thüringischen Waldgebirgen dürfte sich ein solcher deutscher Nationalpark unter dem Schutze eines unserer wähl- und waidliebenden Fürsten ohne besondere Schwierigkeiten schaffen lassen. Ein Freiland-Museum im kleineren Massstab des Skansen-Freiland-Museums möchte ich neben dem Neubau des mär kiseh en Museums in dem dazu vorzüglich geeigneten Köllnischen Park einrichten. Vor allem müsste dort ein Bären-Zwinger und eine Wolfs-Sch lucht sein. Auch würde ich gern daselbst die übrigen Haupt­typen der brandenburgischen Tierwelt hegen, alles vom Standpunkt der Heimatkunde und der Ileimatsgeschichte, also von ganz anderen Gesichts­punkten aus als sie im Zoologischen Garten hierselbst massgebend sind. Ob es aber, bei der Schwierigkeit, die es macht, neue Ideen zur Verwirklichung zu bringen, gelingen wird, diese Vorschläge durchzusetzen ist mir zweifelhaft. Und doch ineine ich, könnten dieselben, wenn man sich mit Eifer dahinter setzte, verwirklicht werden und zwar fast ohne Belastung der Stadtkasse. Es würden sich sicherlich hochherzige Bürger finden, welche die Tiere und ihre Gelasse stifteten und auch Mittel zur Pflege und Instandhaltung aus­setzten. Vielleicht bringt das neue Jahrhundert die Verwirklichung dieses märkischen Freiland-Museums im Köllnischen Park, welches unserer Be­völkerung recht eigentlich zur Belehrung und zur Unterhaltung dienen würde. Ein auf meine Anregung gemachter bescheidener Anfang, das für die heimischen Kriechtiere und Lurche eingerichtete Freiland-Vivarium im Humboldthain ist den Mitgliedern und Freunden der Brandenburgia durch die Besichtigung am 26. Juni 1895 (Brandenburgia IV. 107) bekannt geworden.

Berlin, den 23. Dezember 1899. E. Friedei.

77) Die Rieseljagd in Osdorf am n. Januar 1881 . (Originalbericht desBerliner Tageblatts.) Bei bitterer Winterkälte, aber an einem hellen, prächtig klaren, windstillen Morgen, der die 8 ° K. wenig empfindlich er­scheinen liess, versammelten sich die ca. 30 Schützen der diesjährigen Osdorfer Hasenjagd auf dem Bahnhof Lichterfelde, von wo dieselben mittels Wagen nach dem Kiefemgehölz an der Ecke des Giesensdorf-Osdorfer Weges befördert wurden. Die weiteren erforderlichen, sehr präzisen Dispositionen wurden von dem Stadtrat Marggraff, Vorsitzenden der städtischen Kanalisation und dem Baurat Hobrecht, Chefingenieur derselben Behörde, zwei erfahrenen Jägern vor dem Herrn, mit Umsicht getroffen Es wurden keine Kesseltreiben,