Heft 
(1900) 9
Seite
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Zur Kunde des heimischen Jagdwesens.

L'Dll

vielmehr mit Rücksicht auf das Terrain fünf Vorstehetreiben in Scene gesetzt. Die Schützen, unter denen wir ausser den genannten Herren und den Osdorfer Beamten die Stndtrilte Kunz, Meubrink, Friede! und Walcker, die Stadt­verordneten Hermes, Gerth, Schuppmann, Salge, Seibert, Gericke II, sowie viele geladene G.'lste und Nachbarcn bemerkten, entwiekelten sich zu einer langen Feuerlinie, während die Treiber von einem weiten Halbkreis aus, mit lautem Hoho! und Horidoh! entsetzlieh lilnnend, alles jagdbnrc Wild den lauernden Flinten zuzutreiben bemüht waren. Unter letzteren fanden sich alle denkbaren Mordinstrumente vertreten von den feinsten Lene und Timpe, Barella, Dreyse und Lefaueheux bis zur altertümlichen, der Aufnahme in das Märkische Museum würdigen Donnerbüchse und dem nachgerade auch schon prähistorischenKuhfuss. Das Bild der Jagd war ein äusserst ansprechendes und übersichtliches, da sich auf den endlosen rfchnecllächen auch der kleinste dunklere Gegenstand auf weithin scharf markiert abhob. Für die Schützen, welche in dem Hölzchen nach dem Gehöft von Osdorf standen, erinnerte die Einleitung desFeuergefechts an die kleinen Franktireur-Scharmützel im gleichen Monat vor zehn Jahren. Das Geknatter der Flinten begann auf dem linken Flügel, immer näher tönt das Geschrei der Treiber, endlich ver­suchen ein paarKrumme sich in dem äussersten Winkel der Schützenkette durchznschleichen. Ein halb Dutzend grobe Schrotladungen bringen sie als­bald zur Strecke und belehren sie, dass die Abrechnung der Zeche für geäs ten städtischen Rieselkohl gekommen ist. Die Treiben II, III und IV ziehen sich nach der von Berlin auf Grossbeeren zu führenden Chaussee und die Rosinanten der dort verkehrenden Berliner Milchwagen, sowie ihre ver­schlafenen Kutscher sind höchlichst verwundert über das kriegerische Treiben auf dem seit dem denkwürdigen Kchlaehttage gleichen Namens vielleicht selten durch so viele Schüsse unsicher gemachten Wege. Der Vater des Berliner Aquariums giebt hier auf bedeutende Entfernung einen Meisterschuss auf einen unglücklichen Lampe ab, der ohne zu mucksen tot hinfüllt. Andere Hasen, welche offenbar die Jagdgesetze zu ihrem Frommen gut auswendig gelernt haben, begeben sich auf Gilkasches Heinersdorfer Terrain; im Jagd- eifer stürzt ihnen ein Dutzend Treiber jungen nach, um sie wieder auf städtisches Terrain zu lootsen, allein das Auge des Gesetzes wacht, indem im richtigen Moment der nachbarliche Feldhüter oder Flurschütz erscheint und den tiber- eifrigen ein Quos ego! zuruft. Ein im freien Felde bei einem Schuppen auf­loderndes Feuer gemahnt endlich die ermüdeten Sportsmen, dass es Frühstücks­zeit ist, und bald lagerte sich die ganze Gesellschaft um die von dem Restaurateur des Bahnhofs Lichterfelde, Herrn Schultz, aufgesehlagenen Feld­tische. Bei Knackwurst und Jauerschen, Sülze und Eisbein in Begleitung von Portwein- und Sherrypunsch wurden die Erlebnisse besprochen, hier gespöttelt, dort gelobt, wie das so Brauch unter den Freunden der Diana. Alles, was über Müdigkeit und Embonpoint, Chiragra und Podagra, Hexen­schuss undRcissmaltüchtig, Kälte und Schnupfen geklagt hatte, verschnaufte und erholte sich hier wieder, und die beiden folgenden letzten Treiben wurden mit Eleganz abgehalten. Leider ist das Ergebnis der Hasenjagd diesmal schwächer, als im vorigen Jahr. DerKrumme thut sieh zwar auf dem Berliner Kommunalkohlfeld nachts gütlich, tags aber ist er so undankbar,