Zur Kunde des heimischen Jagdwesens.
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auf die Felder der Herren Nürnberg-, Gilka und Benno Meyer zu gehen, deren Jagd auf diese Weise erheblich aufgebessert worden ist. Ob ihm mehr die Nüsse oder die Ausdünstung der Rieselfelder oder das viele Arbeitspersonal von Osdorf unleidlich ist — quien sabe? — Wahrscheinlich tragen alle drei Umstünde dazu bei, ihn aus dem Kanalisationsterrain zu vertreiben. Dagegen fiel den Teilnehmern die Menge von Rebhühnern auf, welche gelegentlich des Treibens aufgeseheqcht wurden, wegen der Schonzeit aber nicht geschossen werden durften. Noch einen Vorteil hat die diesmalige Jagd, ausser dem Schussgeld für die erlegten Hasen, der Kommune Berlin dadurch gebracht, dass sicli hier wohl über 100 Zeugen von den geradezu komischen Übertreibungen überführen konnten, welche aus Veranlassung des neulichen Rohrbruchs der Kanalisationsleitung über den angeblich dadurch verursachten Schaden kolportiert worden sind. Von einer Unterwaschung oder Beschitdigung der Chaussee vermochte das kritischste Auge keine Spur zu entdecken. Um 3 Uhr nahmen die Teilnehmer ein gemeinschaftliches Kssen im Bahnhof Liehterfelde der Anhalter Bahn ein und fuhren, bis zum letzten Augenblick vom herrlichsten Wetter begünstigt, 52 Minuten später nach Berlin zurück. Uns aber fallen gerade die Worte in die Augen, welche Landgraf l’hilipp von Hessen in seinem Testament brauchte: „Hätte der
Herr kein Wildpret haben wollen, so hätte es seine Allmächtigkeit nicht in die Arche Noah lassen nehmen, es sollen sich die Herren damit zu Zeiten verlustiere.n, die sonsten mit schweren Geschäften überhäuft sind. Die Herren vernehmen auch, wenn sie auf der Jagd sind, wohl mancherlei, was ihnen sonsten entgeht; sic lernen ihr Eigen und ihre Grenzen besser kennen, und mancher arme Mann kann dabei mit ihnen sprechen, der anders nicht zugelassen wird.“ — Und damit auf Wiedersehen im städtischen Wildanger anno 1882!
B. T. Bl. 13. Jan. 1881. E. Friedei.
78) Wild innerhalb Berlins. (Wachteln No. 1, Rebhühner No. 35, wilde Kaninchen No. 42, Marder, Iltis, Wiesel No. 79.) Im dem Teile des Invalidenhaus-Parkes um die Gnadenkirche sind grosse cylinderförmige Körbe zur Aufnahme überflüssig gewordenen Packpapieres aufgestellt. Ein solcher befindet sich dicht neben der Bank unter dem alten Ahorn unfern des Grenzzaunes der anstossenden Gärtnerei. Durch den Boden des Korbes haben Ratten ein Loch genagt, um einschlüpfen und nach Speiseresten suchen zu können, das zu gleichem Zwecke auch von Mäusen benutzt wird. Als vor ein paar Tagen zwei Arbeiter früh von der Kessel- nach der Invalidenstrasse dort vorübergingen, sahen sie, dass der Inhalt des Korbes sich bewegte und sich ein Tier mit langem buschigen Schwanz und weisser Kehle, ein prächtiger Steinmarder, darin zu verbergen suchte, den abzufangen, um den herrlichen Winterpelz ihm auszuziehen, sie sich jedoch vergeblich bemühten. Denn, wütend um sich heissend, war der Marder mit einem Satze auf dem Baume, spitzte die Ohren und fletschte die Zähne. Die „Jäger“ hatten nur noch das Nachsehen und waren ärgerlich, dass ihnen „dieser schöne Weihnachten“ entgangen war; denn „zehn Mark sei der Pelz doch wohl wert“. Wie der Parkaufseher weiss, sind Marder an dieser Stelle