Heft 
(1900) 9
Seite
294
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Kleinere Mitteilungen.

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Besondere Aufmerksamkeit wurde den Lurchen geschenkt, da sielt auf sie, eine bei unsern Klostcrseen wiederkehrende Volksüberlieferung bezieht. Ad. Kuhn (Miirk. Sagen, 1843 Nr. 192) erziihlt von den stummen Fröschen zu Chorin.In dem bei den Kloster Chorin gelegenen kleineren Mariensce befindet sieh zwar eine grosse Zahl von Fröschen, aber so viele ihrer auch darin sind, so liisst doch keiner irgend jemals sein Gequäk vernehmen. Das kommt, wie einige behaupten, daher, dass, als das ganze Kloster ver­wünscht worden, auch die Frösche mit verwünscht und zu ewigem Schweigen verdammt wurden. Andere behaupten, einst als noch Mönche in dem Kloster wohnten, hätten die Frösche mit gewaltigem Gequäk die Andacht derselben gestört, so dass die Frommen, als es gar kein Ende hätte nehmen wollen, endlich Gott gebeten jene auf ewig verstummen zu machen, und das sei auch augenblicklich in Erfüllung gegangen. Seit dem Augenblick sind nun die Frösche stumm bis auf den heutigen Tag. *)'

In dem See fanden wir den Wasserfrosch, unsern gesangslustigen grünen Jäger (Rana esculenta L.) nicht vor, cs wurde uns bestätigt dass er dem See fehlt.

In der Nähe des Ufers sprang allerdings der Feld- oder Grasfrosch (Rana muta Laur.) herum, derselbe geht aber nur gedrungen ins Wasser und wir konnten ihn nur durch Treiben, in das Wasser des Sees zu flüchten, nötigen, welches jetzt im Hochsommer + 15" R hatte, also ganz annehm­lich warm war. Gleichwohl verliessen diese Landfrösche sofort wieder das Wasser. Dieser Frosch ist, wie sein Artname richtig besagt, meist stumm, f Die Ursache, weshalb die eigentlichen Quakfrösche den See meiden, nament­lich in ihm nicht laichen, liegt in seiner Kaltgründigkeit, welche wiederum mit kalten Quellen Zusammenhänge Auch wird das Seeufer derartig an vielen Stellen von den über demselben hängenden Baumästen beschattet, dass das Wasser an der Oberfläche eine den Wasserfröschen nicht zusagende Kühle hat. Wir erklären uns aus diesem Fehlen der sonst so lauten eigentlichen Wasserfrösche die Sage von den stummen Fröschen. Die erste Version der Sage nach Kuhn ist offenbar nachrcfor- matorisch als das Volk über das Eingehen des Klosters grübelte; die zweite j Fassung ist gewiss die ältere. Auch Erdkröten (Bufo vulgaris Laur.) waren in Menge nahe dem Ufer sichtbar.

Von Mariensee besuchten wir das nordwestlich belegene Dorf Chorinchen, woselbst nach der Sage,**) die letzte Schlacht geschlagen wird, so blutig, dass das ganze übrig bleibende deutsche Heer unter einem alten Knödelbaum Platz findet. Auf dem Wege vom Dorf Chorinchen nach der Chaussee zum Bahnhof Chorin links fanden wir den Boden, um Wege- baustoff zu gewinnen, ausgeschachtet. Dabei ist eine flach gewölbte Sand­kuppe angeschnitten, welche etwa einen Meter unter dem obern deckenden Flugsand eine weit ausgedehnte, vielleicht mehrere Magdeburger Morgen

*) Vgl. W. Schwartz: Sagen und alte Geschichten der Mark Branden­burg. 3. Aufl. (1895) Nr. 89.

**) Schwartz a. a. O. Nr. 90. Die Brandenburgia war am 2. September 1894 in Chorin. Brandenburgia III. S. 127 132.