Heft 
(1900) 9
Seite
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Nachträge zur Dorfchronik von Nieder-Görsdorf.

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Magdeburg: und Halberstädtsche Kirchen Agende

Auf sonderbaren und gnädigst. Befehl des Durchlauchtigst. Grossmächtigst. Fürsten und Herren Herrn Gustav Adolph der Schweden, Gothen und Wenden Königs, Grossfürsten zu Finland, Herzog von Ehesten und Cauclen, Herrn über Ingermanland.

MDCXXXII

Hall in Sachsen. In Verlegung Melchior Ölschlegels.

Wie schon berichtet ist, konnten die hiesigen Einwohner bei der Kirchen Visitation 1(150 gut beten. Sie waren auch in früheren Zeiten sehr tleissige Besucher des Gotteshauses, die Kirchenstühle der Hüfner waren regelmässig voll besetzt; auch die Dienstboten wurden zur Kirche angehalten und erschienen so zahlreich, dass einmal der Knechtechor durchbrach. Der Abendmahlsbesuch geschah regelmässig in den Vier­zeiten und fast jeder Einwohner communicierte viermal im Jahre. Ver­heiratete und junge Leute gingen getrennt zum Abendmahl. Die Zahl der Commanicanten ging bis 470, obwohl das Dorf nur halb so gross war wie jetzt, wo circa 350 Abendmahlsgäste gezählt werden. Einzelne Personen communicieren jetzt bloss einmal, und auch die Jugend ist lässig geworden. Früher wurde neben den gewöhnlichen Sonn- und Festtagen noch Gross-Neujahr, Mariä Heimsuchung. Grün-Donnerstag, Johanni, Michaelis und das Reformationsfest am 31. Oktober als Festtage begangen. Später wurden sie dann so gehalten, dass am Nachmittage ein Tanzvergnügen stattfand. Als dann auch infolge der Separation keine Einheit in der Gemeinde war, und die einen lärmende Arbeit voll­brachten, während die anderen feierten, sind diese Feste eingegangen. In der Fastenzeit werden fünf Gottesdienste abgehalten. Früher fand in derselben ein Examen mit den jungen Leuten statt, und beteiligten sich dieselben an demselben reichlich. Es kamen auch ältere Leute bis zum Alter von 30 Jahren. Säumige oder gar Renitente wurden mit einer Kirchenstrafe in Geld belegt. Nach der Einsegnung blieben die jungen Leute noch 2 Jahr vom Besuch der Tanzvergnügungen zurück. Waren sie ungezogen, so mussten sie den saueren Weg nach Kloster Zinna antreten, wo es oft harte Strafe mit dem Stocke gab. Die Konfirmanden wurden in den Betstunden, welche an jedem Sonntag, Nachmittag von 12 Uhr, stattfanden, dahin verwendet, dass sich zwei von ihnen ein Stück des Katechismus abfragten und dass sie einen Psalm vorzulesen hatten. Vom zehnten Jahr besuchten die Kinder als Chorschüler regel­mässig die Kirche und besorgten unter Aufsicht des Lehrers das Geläut der Glocken. Wo ist diese Zeit geblieben, wo auch in jeder Haus-