Heft 
(1900) 9
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10. (4. ordentliche) Versammlung des IX. Vereinsjahres.

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In der letzteren lagen noch die zwei von uns am 20. September 1899 wahrgenommenen losen Sitzsteine, der längere links, als ich damals in die Höhle stieg, leer, der rechts mit Urnen besetzt. Der geglättete chocoladenbraune, einigermassen gleich einem Linoleum-Läufer matt­glänzende Estrich ist inzwischen mit Sand überschüttet; an den Steinen der Kammer befand sicfi noch teilweise der Thonbewurf, welcher wahr­scheinlich die Kammer gänzlich auch oben bekleidet hat und ebenso Ileste der roten Bemalung. Die gi'ossen Wandsteine sind teils unberührte Geschiebe, teils gespalten, alle selbstredend und vernünftiger­weise rauh, weil sonst der schwere Wandbewurf hierauf nicht gehaftet haben würde.

Unsere Untersuchung galt insbesondere den geologischen Verhält­nissen. Wie bei der Untersuchung 1899 gelangte ich zu dem Schluss, dass der Tumulus künstlich von Menschenhand unter Benutzung einer höheren Geländestelle aufgeschüttet ist, und ich freue mich, in dieser Beziehung vollkommen mit dem Landesgeologen, Herrn Dr. Wahn­schaffe, Professor an der Kgl. Bergakademie, übereinzustimmen, welcher sich gerade ebenfalls zur Zeit in Perleberg aufhielt, um das das Königsgrab mitumfassende Blatt der Landesvermessung geologisch fest­zulegen.

Besonders günstig war es, dass, um das von der Provinz erworbene Gelände zu markieren, ein grosser Teil des äusseren, den Tumulus ein­liegenden Steinkranzes freigelegt war. Durch Vergleichung mit der Figur des oberhalb der Steine sitzenden Herrn Dr. G. Albrecht können sie sich aus dem umstehenden, nach einem Photogramm des Herrn Wilhelm Pütz aufgenommenen Bilde eine genügende Vorstellung von der Grösse der Steinblöcke und von dem gewaltigen Eindruck der ganzen Anlage machen. Man wird nicht in der Annahme fehlgehen, dass diese Steine auf ge­frorenem Boden hingeschafft worden sind. Der Tumulus mit der näheren Umgebung ist von Wasser auf drei Seiten umgeben, zwei etwas ver­sumpfte Wasserlachen fanden wir als Reste grösserer ehemaliger Be­wässerung vor.

Das Innere der Kammer wurde von Herrn Pütz nochmals auf- gemessen. -Ein Kreisrund mag angestrebt worden sein; thatsächlich aber bilden die grossen Steine der Kammer ein unregelmässiges Neuneck. Die Breiten der betreffenden neun Steinflächen sind von dem Eingangs- Schwellstein (mit 65 cm) rechts betrachtet folgende: 96 cm; 68 cm; 70 cm; 70 cm; 66 cm; 92 cm; 50 cm und 69 cm. Die lichte Weite der Kammer beträgt an 3 verschiedenen Messungsstellen ca. 40 cm, über dem Estrich 218 cm, 219 und 220 cm. Vor dem Eingänge fand ich einen rötlichen quarzitisehen, deutlich abgenutzten Reibestein, sowie das Bruch­stück eines auf einer Seite abgeschliffenen platten, aus sehr grobkörnigem Granit bestehenden, etwa 6 cm hohen Reibesteins.