10. (4. ordentliche) Versammlung des IX. Vereinsjahres.
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Wie ersichtlich verbirgt sich die Kupferzeit, welche auch in Brandenburg ausgebildet erscheint, in Periode III und IV der jüngeren Steinzeit, und fallt das erste Auftreten des Kupfers in den südlichen Gegenden des nordischen Gebietes um oder kurz nach 2500 v. Chr., das erste Auftreten der anfangs zinnannen Bronze in denselben Gegenden um oder kurz nach 2000 v. Chr. Der Befund des Seddiner Königsgrabes aber ist deshalb so schwierig zu chronologisieren, weil er neben Eisen auch archaistisch aussehende Bronze, z. B. ein Kurzschwert, eine weiden- blattfünnige Bronzespeerspitze mit schmalem Dorn und dergleichen, neben jüngeren Bronze-Typen enthält. Dazu kommen, der an Mykene erinnernde Kuppelaufbau der Grabkammer, der Wandbewurf und die Bemalung desselben, Eigenartigkeiten, die bei uns als Unica dastehen.
Die Reste des kleinen Raubtieres, welche zwischen den Gebeinresten des Königs in der wohl verschlossenen Bronzeurne lagen, erklärt Herr Professor Dr. Alfred Nehring als Hermelin. Das Tier muss gleichzeitig beigesetzt sein.
Die ganze Umgebung des Seddiner Hünengrabes scheint ein geweihtes Tumulusfeld gewesen zu sein. Südlich von dem Dorf Seddin sind in früheren Jahrzehnten Hünengräber abgetragen und die Funde zum Teil in das Königliche Museum zu Berlin, zum Teil in Privatbesitz gelangt. Südlich von dem Seddiner Hünengrab, nahe dem Seddiner Ausbau, welcher „der Kohlhorst“ heisst und dem Landwirt Hildebrand gehört, liegen drei Hünengräber, welche auf der Generalstabskarte deutlich markiert sind.
Das eine Hünengrab auf einem flachen Anberg südöstlich vom Kohlhorst lag auf Ilildebrandschem Acker, ein bereits vor längerer Zeit zerstörtes Hünengrab, von welchem wir noch grosse Steine, sowie kohlige Stellen feststellten und eine Anzahl schwarzer grober Scherben sammelten, von der Technik der grossen schwarzen Urne, welche sich in der Seddiner Königs-Grabkammer, durch einen flachen schweren Reibestein zerdrückt, leer, rechts in der Ecke vom Eingang der Grabkammer aus gesehen, befand.
Besser erhalten war ein zweites Hünengrab, fast östlich (mit wenig südlicher Lage) — auf der Generalstabskarte in der Luftlinie 5Ü0 m entfernt — aufgewühlt, aber dennoch ungleich besser erhalten. Aus diesem mit einem Steinkranz umstellten und im Innern mit grossen Blöcken ausgestatteten Hügel stammen verschiedene, Herrn Wilhelm Ratig gehörige Bronzen her: ein langer Dolch oder wenn man will: Kurzschwert, mit der abgebrochenen Spitze 32 cm lang, Griff und Klinge miteins aus Erz gegossen, ein 29 cm langes yataganartiges Bronzemesser mit rundlicher Griffzunge in Holz oder Horn befestigt gewesen und ein Bronzehohlkelt.