Heft 
(1900) 9
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10. (4. ordentliche) Versammlung des IX. Vereinsjahres.

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zweifellos noch viele neue Funde und wissenschaftliche Ergebnisse zeitigen. Herr Landesgeologe Dr. Ivonrad Keilhack bearbeitet die geologische und mineralogische, I)r. K. Brand die botanische und unser Mitglied Oberlehrer I)r. C. Matzdorff die zoologische Litteratur.

Hi. Mein Aufruf*) zum Schutz der landschaftlichen Natur in Anlehnung an die Besprechung des forstbotanischen Merkbuches von Dr. Conwentz, vgl. S. 1115, hat bereits gute Früchte hervorgebracht, wie aus den heutigen Nummern 1(519 erhellt.

Neue Nachlese zur Eibenkunde.**) Herr Lehrer II. Berdrow in ltixdorf hat die Güte, mir folgendes zu schreiben:

Die Eiben der Buchschen Fasanerie. Im Verlauf einer durch die Ortschaften der nördlichen Rieselfelder am 8. Oktober 1900 unternommenen Wanderung besuchte ich die von Mitgliedern derBrandenburgia am 25. August 1898 in der Fasanerie des Dörfchens Buch entdeckte und im Monatsblatt, VII. Jahrgang S. 252 ff. beschriebene alte Eibe. Ich fand sie nach einigem Suchen, identifizierte sie nach den dort angegebenen Maassen und glaube der Beschreibung hinzufügen zu können, dass einer der dem Erdboden auf­liegenden Aste fest eingewurzelt ist. Da es mir unwahrscheinlich vorkam, dass dieser ehrwürdige Zeuge vergangener Jahrhunderte von jeher als Ein­siedler gelebt haben sollte, so stellte ich eine Suche nach etwaigen Stubben an, fand aber nichts. Dagegen entdeckte ich bei weiterem Umherspähen etwa 20 m südwestlich vom Standort dieser Eibe zwei andere Exemplare, die über der Wurzel und 1 m über dem Erdboden 70 und 58 resp. 68 und 50 cm Umfang hatten. Neben dem stärkeren von ihnen stand ein halb so dicker, anscheinend aus derselben Wurzel entsprossener Stamm. Dicht neben dieser Gruppe erhebt sich eine stattliche Lärche.***) Jenseit des Weges fand ich, immer ungefähr dieselbe Richtung nach Südwest beibehaltend, in der Um­gebung eines strohgedeckten Häuschens, Eiskellers oder, der Tiefe nach zu schliessen, Brunnens, eine weitere Gruppe von 8 Stück, von denen die dickste unten sowohl wie in 1 m Höhe 69 cm hatte. Alle bisher gesehenen waren Junggesellen, wenigstens konnten weder meine Augen noch meine ziemlich scharfsichtigen Kinder etwas von Früchten entdecken. Nun aber kam die grösste Freude. Ein wenig von dieser Gruppe entfernt, jenseit des Häuschens, erhob sich ein prächtiger Stamm von 73 resp. 61 cm Umfang, in dessen dunklem Laub eine Fülle von Scheinbeeren, teils noch klein und grünlich­gelb, teils ausgewachsen in wundervollem Rot, prangte, die einzige Dame unter so vielen Rittern. Dicht neben ihr stehen zwei schwächere Eiben von 50 und 35 cm Umfang unten. Leider setzte die nun einbrechende Dunkelheit und der Fahrplan weiterem Suchen ein Ziel. Junger Nachwus, nach dem ich schon fortwährend Umschau gehalten, war nicht zu entdecken.

*)Der Denkmalsschutz ausgedehnt auf Gegenstände der Natur, insbesondere Bäume von Ernst Eriedel, Brandenburgia IX S. 10.

**) Vgl. Brandenburgia I. 90, 151; VII. 252, 488; VIIL 31; IX. 197.

***) Die Lärche (Larix decidua) ist in der Provinz Brandenburg nicht ein­heimisch, vielmehr erst vom Menschen eingeführt. E. Fr.