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10. (4. ordentliche) Versammlung des IX. Vereinsjahres.
Den Anschauungen des Herrn Dr. Bolle über die Urwüchsigkeit dieser 15 Eiben kann ich mich nur anschliessen. Ihr Aussehen, ihre Gruppierung, endlich der Standort selbst machen es durchaus wahrscheinlich, dass sie die Bezeichnung „wildwachsend“ mit vollem Rechte verdienen. Nachdem ich zur Identifizierung einen Zweig für Herrn Geheimrat Friedei gepflückt,*) nahm ich Abschied von der botanischen Sehenswürdigkeit, die einen erneuten Besuch der pflanzenkundigen Mitglieder der „Brandenburgs“ wohl verdiente.“
17. Unser Mitglied Herr Gustav Lackowitz überreicht eine Aufnahme des Photographen W. Fritsch in Neu-Drakowitz bei Carlsbad i. ß., welche die berühmte Ivörner-Eiche bei Dallwitz darstellt. Vier Männer mit ausgespreitzten Armen versuchen den 1,5 m über dem Boden 117» in Umfang auf weisenden Riesenbaum zu umklaftern. An dem Baum ist eine Tafel angebracht mit dem Wortlaut: Zur Erinnerung an die Feier des hundertjährigen Geburtstages des Dichters und Freiheitkämpfers Theodor Körner am 23. September 1891.“ Ein urkräftiger ehrfurchtgebietender Waldriese.
Herr G. Lackowitz teilt ferner 28 Ansichtspostkarten aus unseren Vororten Pankow und Nieder-Schönhausen mit, welche die schönen Park- und Gartenanlagen, sowie den herrlichen Baumwuchs insbesondere des Schönhauser Schlossgartens mit seinen prächtigen Eichen, Fichten und Weymouths-Kiefern (Pinus Strobus) erkennen lassen.
Auf der Chaussee nach Berlin befindet sich nahe Restaurant Bellevue ein Alleebaum, Linde, dessen einer Aststumpf das Profil des „Alten Fritz“ zeigt, weshalb der Baum auch die Alte Fritz-Linde benamset wird. Leider ist das Naturspiel kürzlich von unnützer Hand beschädigt worden. Ferner die „die Rübezahl-Fichte“, in Wahrheit eine grosse Weymouths-Kiefer, deren Stamm unten durch Naturspiel grobe Gesichtszüge zeigt, die auf den Geist des Riesengebirges gedeutet werden, natürlich modernste Erklärungs-Spielerei. Ferner vor dem Königlichen Garten ein langer flacher wohl beraseter und wohl markierter, mit zwei stattlichen Linden bestandener Hügel, „das Grab des Schmiedes von Mollwitz.“ Das Märkische Provinzial-Museum, welchem Herr Lackowitz diese stattliche Sammlung zuweist, spricht hierfür seinen verbindlichsten Dank aus.**)
18. Über Haus lau b (Hauslauch) Sempervivum soboli- ferum Sims, und Sempervivum tectorum L. Zwei zur Familie der Fettpflanzen (Crassulaceae) gehörige Pflänzchen, welche ich, eventuell zur gefälligen Entnahme für Ihre Terrarium-Felsen, lebend vorlege, sind bei unserem Land- und Stadtvolk als anheimelnde Hauspflanzen und als
*) War mit reifer Frucht versehen.
**) Eine Exkursion des Märkischen Museums unter Führung der Herren W. und G. Lackowitz unter Beteiligung von 12 Herren der „Brandenburgia“ nach diesen Baumschätzen in Pankow und Nieder-Schönhausen, ausgedehnt bis zu den Spuren des alten kurfürstlichen Vogelherdes in Pankow, fand am 25. November 1900 statt. E. Fr.