10. (4. ordentliche) Versammlung des IX. Vereinsjahres.
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Schutzpflanzen ungemein beliebt. Bekannter ist das Hauslaub, Haus- lauch, auch Donnerbart (Barba Jovis) genannt, S. tectorum, welches nach Paul Aschersons Flora (s. d.) aus Süddeutschland stammt, aber bei uns sowohl auf Häusern, wie in Gärten (als Teppichbeeteinfassung und als Topf- sowie Terrarium-Felsen-Pflanze ungemein beliebt ist. Auf dem Kopf des Rolands zu Brandenburg befindet sich seit unvordenklicher Zeit eine immergrüne, im Stamm schön blühende Haube von Sempervivum tectorum. In Süd- und Mitteldeutschland, z. B. in Unter-, Mittel- und Oberfranken, ganz Thüringen und Hessen, habe ich in den letzten Jahren dies Ilauslaub vielfach in den Dörfern und kleinen Städten verbreitet gesehen, bemerkenswerter Weise weniger auf den Wolmliaus- däehern als auf denen der Scheuern, Schuppen und Ställe, sowie auf den Umfassungsmauern und Thorwegen der Gehöfte. Karl der Grosse hat bereits das Anpflanzen des Donnerkrauts oder Donnerbarts (womit der Bart des Feuer- und Blitz-Gottes Donar oder Thor gemeint ist) zur Verhütung von Blitzschlägen anbefohlen.*) Gequetscht dienen die Blätter der Pflanze gleich denen gewisser Agave-Arten als Kühlungsmittel gegen Quetschungen, Bienenstiche und dergleichen!, der Saft bei Heiserkeit, Verbrennungen u. s. w.
Die Stelle des bei uns in der Mark nicht heimischen Sempervivum tectorum ersetzt ursprünglich das weniger ansehnliche, mehr kugelige Sempervivum soboliferuin Sims., welches in der Provinz Brandenburg, wenn auch verhältnismässig selten, vorkommt. Ascherson a. a. 0.
S. 232 führt an: Burg wall zwischen Reppen und Klauswalde, Wriezener Berge (jetzt verschwunden), Warbecks Mühle bei Eberswalde, Wald südlich von Chorin. — Die mir in Menge lebend zugegangenen Exemplare stammen von dem Hausl auc hberge bei Buchs- ^ Mühle zwischen Lunow und Stolpe, westlich vom nördlichen Oderbruch, Kreis Angermünde. Der Berg, welcher nach dem Hauslauch genannt ist, gehört dem Kammerlierrn und Schlosshauptmann von Buch auf Stolpe. Unser Mitglied Lehrer Heinrich Lange zu Oderberg i. d. M., einer der besten Kenner der Flora seiner Gegend, hat mit gewohnter Liebenswürdigkeit die Pflanzen mir zugeschickt in zahlreichen Stücken, von denen ich Herrn Dr. Carl Bolle eine Zahl zur Anpflanzung auf seiner Insel Scharfenberg eingehändigt habe, woselbst die Pflanze vom Besitzer auch sonst bereits eingeführt worden ist. Herr Lange schreibt mir unter dem 15. September 1900: „Die Pflanze kommt dort an einigen Stellen so zahlreich vor, dass man kaum treten kann, ohne einige Stücke zu beschädigen. Ascherson und Garcke haben, wenigstens in ihren älteren botanischen Werken, diese Fundstelle nicht angegeben.“
— Auch auf dem rechtsseitigen neumärkischen Höhenrand ist S. soboli-
*) „Et ille hortulanus habeat super domum suam Jovis barbam. 1
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