Heft 
(1900) 9
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10. (4. ordentliche) Versammlung des IX. Vereinsjahres.

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ferura beobachtet. Mein Sohn, cand. med. Erwin Friedei, fand vor einigen Jahren in meinem Beisein ein einzelnes Exemplar vielleicht einen Irrgast in der Nähe des Turnplatzes bei Alte Grund, Kalk, berge Rüdersdorf. Der Namesoboliferum,Sprossen oder Junge tragend, ist sehr bezeichnend. Eine sehr eigentümliche Ablösung und Verbreitung sprossförmiger Ableger findet gerade bei dieser llauswurzart statt. Vergleiche hierzu die treffliche Abbildung bei Kerner, Pflanzen- leben, II. Autl., II. Bd., S. 57b. Die dicken, fleischigen Blätter sind auf Kurztriebe rosettenartig gestellt, und die neuen Rosetten werden stets in den Achseln der Rosettenblätter als winzige Knospen angelegt. Ans diesen Knospen gehen fadenförmige, mit kleinen anliegenden Schuppen besetzte Knospen und demnächst kleine kugelförmige Pflänzchen hervor, deren fadenförmige Verbindung mit der Mutterpflanze verdorrt, so dass ein Windstoss genügt, um sie los zu reissen. Diese durch ihre eigen­tümliche Kugelbildung, gleich der sogenannten Rose von Jerichow, Anasta- tica Hieroclmntica, und der sogenannten Auferstehungspflanze, Selaginella lepidophylla, von Mexiko, vor dem Eintrocknen geschützt, rollen ähnlich diesen ausdauernden Pflanzengebilden vor dem Winde her und verbreiten sich solchergestalt über weite Flächen. Die Pflanze wird, wie schon Ascherson a. a. O. bemerkt, bei uns gelegentlich ebenso wie der eigentliche Hauslauch auf Mauern und Dächer gepflanzt und gilt wie dieses als eine Art geweihte und segenbriugende Pflanze. Als Teppichbeet ist S. soboliferum weniger beliebt, einmal weil es nicht so ansehnlich aus­sieht wie S. tectorum, welches man mit einer Miniatur-Agave vergleichen kann, und dann weil es, wie die Gärtner sagen,zu viel jungt, d. h. zu schnell und zu viel Nebenpflänzchen treibt, welche unordentlich herum­liegen und dadurch bei Teppichbeeten die scbarfabgegrenzten Säume und Muster der Dessins beeinträchtigen.

19. Der Elsbeerbaum und seine nächsten Verwandten. Schon früher habe ich auf den Elsbeerbaum und seine Verwandten in derBrandenburgia aufmerksam gemacht.*) Der Baum ist als wild gewachsener Vertreter unserer heimischen Waldflora wahrscheinlich in der Provinz Brandenburg nicht so gar selten gewesen, aber aus ver schiedenen Gründen Mangel au Pflege Mangel an Nachpflanzung schonungslose Ausrottung durch Benutzung des wie bei allen Sorbus- und den nahverwandten Pirus-Arten sehr festen, vortrefflichen Holzes

*) Vgl. Brandenburgia II., 157 flg. Verzehren geringwertiger Obst­arten: Sorbus aucuparia var. dulcis 158. Obst der Steinzeit: a. a. O. S. 187 flg. Sorbus torminalis 187 und 188. Sorbus Aria 189. Sorbus latifolia 189. Sorbus fennica 189. Über die süsse Vogelbeere (S. auc. dulcis) IV. 286-289, 365; V. 2 u. 38. Über den Elsbeerbaum ausserdem Dr. Carl Bolle: Vom Elsbeerbaum (Sorbus torminalis, Crtz.) in der Mark; IV. 359 bis 361.