10. (4. ordentliche) Versammlung des IX. Vereinsjahres.
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fast verschwunden. Lange Zeit galten die drei, später nur noch zwei Exemplare, jetzt nur noch ein Baum, auf der der Familie Degen gehörigen Marieninsel (Paelitz-Werder) iin grossen Paarsteiner See bei Angermünde nach Prof. Ascherson (Flora s. v.) und eiuige sonstige Stücke in der Uckermark als die einzigen Exemplare in der Mark, bis im Jahre 1S99 eine neue Nachricht durch die Zeitungen ging. Der ausgezeichnete, auch in der heutigen Niederschrift (unter No. 1(5) gedachte Forstbotaniker und Direktor des westpreussischen Provinzial-Museums zu Danzig, Professor Dr. Conwentz, habe in einem in Hannover erscheinenden forstmännischen Blatte gelesen, dass in dem Schutzbezirk des Brieselang-Waldes nördlich der Haltestelle der Berlin-Hamburger Bahn Finkenkrug, etwa 20 km nordwestlich Berlins, Elsbeerbaumholz geschlagen und zum Verkauf ausgeboten sei.
Diese höchlichst überraschende Mitteilung veranlasste mich, in Gesellschaft unserer Mitglieder Dr. Gustav Albrecht, Gustav Lackowitz jun., II. Maurer, Friedrich Backschat und 0. Monke eine Exkursion nach dem Brieselang am 19. August 1900 zu unternehmen. Wir erkundigten uns bei dem in der Gegend aufgewachsenen Besitzer der Brieselang-Ivrugwirtschaft nach dem Vorhandensein der Elsbeerbäume und erhielten die Nachricht, dass dergleichen Bäume noch vorhanden seien. Herr Krause hat als Kind unter einem der grössten Bäume sich oft gelagert, auch im Spätherbst von den alsdann weich gewordenen, länglich eirunden, lederbraunen, wenig wohlschmeckenden Früchten, welche herabfallen, gelegentlich gekostet. Der Brieselang ist den Botanikern von Berlin und Umgegend seit etwa 150 Jahren wohl bekannt und wird beständig von ihnen durchforscht. Wie ist es in aller Welt möglich, dass ansehnliche, schöne Bäume dem Spürsinn der Pflanzenkundigen entgangen sind? Diese Herren heften zumeist ihre Blicke auf den Boden, nach oben sehen sie nicht, weil sie meinen, die Bäume seien längst bekannt. Auf die Fragen: warum haben Sie die Herren nicht auf die Elsbeerbäume aufmerksam gemacht, entgegnete Herr Krause trocken: es hat mich ja niemand darnach gefragt!
Wir ermittelten folgendes: Der Eis- oder Elsebeerbaum kommt in Brieselang iii der Nähe des Brieselang-Kruges vor:
a) strauchartig im Jagen 70, etwa 50 Schritt nördlich von der vom Gasthaus Finkenkrug nach Brieselang führenden Fahrstrasse in der Nähe der alten Dorfstelle;
b) als schön gerade gewachsener, kräftiger Baum zwischen den Jagen 6(5 und 67 mitten im Gestellweg. Wir bestimmten die Höhe auf etwa 12 m. Der Umfang des sich erst in reichlich 6 in Höhe verästelnden Stammes beträgt 1 in über dem Boden 119 cm;
c) zwischen den Jagen 71 und 72 als Baum von gleicher Stärke und
d) im Jagen 63, das stärkste Exemplar.
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