Heft 
(1900) 9
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10. (4. ordentliche) Versammlung des IX. Vereinsjahres.

Es bedürfte nur geringer Pflege dieser vorhandenen Bäume, um sie zu einer natürlichen Vermehrung und zwar durch Zweigausläufer und durch Wurzelausläufer zu veranlassen. Sorbus torminalis hat nämlich gleich dem Mehlbeerbaum S. Aria sowie S. suecica, S. aucuparia und Mespilus chamaemespilus die Neigung, Familiengemeinschaften zu bilden, wie ich das in der Mark Brandenburg, auf der Insel Rügen, in Thüringen, in Unter - Franken, in Oberbayern und Tirol beobachtet habe.*) S. torminalis kann auf diese Weise ganze Gebüsche und Dickichte bilden, die von einem Baum ausgehen, so verhält sich die Elsbeerbaumgruppe im Brieselang nahe der alten Dorfstelle (zu a); der grosse Elsbeerbaum zu b), von dem ich einen solchen Wurzelschössling mitgenommen habe, der freudig gedeiht, giebt sich Mühe, ein Gebüsch zu bilden. An den Kreideabhängen von Stnbbenkamer, auf Jasmund und an den Muschelkalkabhängen des Stufenberges bei Bad Kissingen kann man den Elsbeerbaum an blosgelegten Stellen in dieser Weise ausgezeichnet deutlich beobachten. Aus durch Abrutsch freigelegten Wurzeln treiben Zweige in die Höhe, und umgekehrt wagerecht ver­laufende Zweige treiben, wo sie dem Erdboden aufliegen, nach unten Wurzeln, nach oben neue Elsbeerbäumchen, alles mit engstem organischen Zusammenhang mit in der Nachbarschaft befindlichen grösseren Mutter­bäumen.**)

Bei unseren Ausflügen nach Oderberg i. d. M. und Umgegend nahmen wir über dem Wege nach Lunow auf den diluvialen Blocklehm­höhen Elsbeerbäume in diesem Jahre wahr. Herr Heinrich Lange schreibt mir darüber am 15. September 1900:Sorbus torminalis, Elsbeer­baum. Dieser Baum, der in hiesiger Gegend (Pelilitzwerder) vor viel­leicht 50 Jahren von dem inzwischen verstorbenen Pharmazeut Ilertzsch- Angermünde entdeckt wurde, ist vor 30 Jahren von mir an den westlichen

*) Bei S. torm. in der Mark vgl. später; wegen Thüringen, wo bei Kösen, Eckartsberga, Kloster Häseler u. s. w. S. torm. garnicht selten ist, vgl. z. B. in dem unter A9 dieser Niederschrift erwähnten Kalender S. 64 flg.: Koch, Die Flora der Finne.

Von S. Aria habe ich diese Gemeinschaften in Tirol, Oberbayem und Unter-Franken beobachtet. Von der Zwergmispel, Mespilus chamaemespilus, habe ich förmliche Dickichte bei Maria Waldrast, etwa 5000 Fuss oberhalb Matrey an der Brenner Bahn, angetroffen.

**) Wie man aus solchen Lebensgemeinschaften von Pinus das Wort Pinetum, von Taxus das Wort Taxetum bildet, so könnte man aus Sorbus das Wort Sor- betum für solche aus einem gemeinschaftlichen Stamm entsprossenen Sammelbäume und Sammelgebüsche vielleicht ganz berechtigt bilden. Sorbet oder Tscherbet ist ein bei den Morgenländern gewöhnliches Getränk, das aus dem Saft von Früchten

auch wirklichen Sorbusarten und aus Zucker hergestellt wird. Der gemeine Türke bereitet sich Sorbet aus einem abgesüssten, über gestossenen Rosinen und der­gleichen gegossenen Wasser. Ob daher Sorbet etwa mit der Frucht von Sorbus zusammenhängt, das mag ein orientalischer Sprachforscher begutachten, ich wage nur auf die Möglichkeit hinzu weisen.