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10. (4. ordentliche) Versammlung des IX. Vereinsjalires.
schönen Mehlbeerbänme erinnernd, welche, als ich im Jahre 1894 im Frühsommer den herrlichen wilden Eibsee in Oberbayern an der tirolischen Grenze besuchte, durch die weisse Farbe der Unterseite der Blätter zwischen dem dunkeln Fichtengrün hindurchleuchteten und, da die Oberseite noch hellgrün war, das felsige Ufer wie mit einem lichtgrünen Kranz umgaben.
Sonst lege ich Ihnen noch vor Pirus scandica Bab. (= P. inter- media Ehrh.) vom Pfarrgarten zu Kloster auf Hiddensüe, Cydonia vulgaris Pers., ebendaher vom Schwedenhagen, wahrscheinlich vor Jahrhunderten durch Mönche eingepflanzt. Ferner Sorbus domestica L., den Spejerling oder Spierlings-Baum (franz. le Cormier), Früchte birnenförmig, zuweilen apfelförinig, bis 3 cm lang, grünlichgelb, rotbäckig. Der schöne Baum wird langsam wachsend bis 200 Jahre alt. Die Früchte sind ebenfalls teig essbar. Hat ein bräunliches, wegen seiner Zähigkeit und Festigkeit geschätztes Holz, während das Holz vom Mehlbeerbauin (franz. le Viorne) rötlich-weiss, fein, zähe, fest ist und sich nicht wirft.
Anfuhren will ich bezüglich des Elsbeerbaumes (franz. le Sorbier tonninal) noch eine Stelle aus Dr. Hareld, Othmar Lenz, Gemein^ niitzige Naturgeschichte, Gotha 1854: „Sobald sie (die Beeren) im Herbst durch einen Frost teig geworden sind, geben sie eine angenehme Speise. So wie man nach keinem frischen Obst Bier trinken darf, so muss man es nach diesem besonders vermeiden, selbst Wasser kann dadurch Bauchweh verursachen. Der Baum wächst vorzugsweise auf Kalkbergen wild, kann 60' hoch werden, hat ein vortreffliches, rötliches, feines, festes, zähes Holz, das sich gut polieren lässt und sich nicht leicht wirft.“
Dr. Aug. Garcke: Flora von Mittel-und Nord-Deutschland schreibt: „Pirus torminalis Ehrh. Elsbeere, Ruhsbirne. In Bergwäldern zerstreut, im nördlichen Deutschland seltener (Oderberg, Pählitzwerder im Paarsteiner See, Gerswalde bei Prenzlau, in Merulenburg, auf Rügen, in Preussen bei Stuhm und Montken).“
Auf das langsame Reifen der Elsbeerfrüchte und iln’er Verwandten bezieht sich das italienische Sprüchwort: „con tempo e pazienza maturono le sorbe“ (Mit Zeit und Geduld werden selbst die Sorbus- Früchte reif); gemeint ist hier eigentlich, wie mich Dr. Bolle belehrt, die mehr südliche Sorbus Azarolus bezw. Sorbus domestica, von welcher letzteren Dr. C. H. Persoon in seiner Synopsis Plantaruni II. 39 schreibt: „Hab. in Eur. calidioribus. Grandaeva primum fructificat.“ II sorbo heisst der Baum, la sorba seine Frucht auf Italienisch. Lateinisch heisst bei Cato, Columella, Vergil, Plinius u. A. der Baum Sorbus, die Frucht Sorbum. • ’ r ■'
Endlich erwähne ich noch, ohne auf die vielfachen interessanten Kreuzungen der verschiedenen Sorbus-Arten einzugehen, die in unseren gewählteren Gärten auch wohl vorkommenden Sorbus latifolia,