Heft 
(1900) 9
Seite
339
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Ferdinand Meyer, Im altberlinischenTriangel 11 und seiner Umgebung. 339

Und er begründet diese Bezeichnung damit, dass die Adlerstrasse eigentlich zwei Strassen, wie zwei Seiten eines Triangels bildet, wozu die Ilolzgartenstrasse die dritte Seite darstellt.

In früherer Zeit breitete sich hier, umschlossen von der heutigen Alten Leipziger-, der Unterwasser- und Kurstrasse, der v. Oppenheim sehe Garten bis zur Schleusenbrücke aus. Diesen Garten hatte Kurfürst George Wilhelm von einem späteren Besitzer, dem Oberförster Freitag, zur Erweiterung desJägerhofes erworben, welcher auf dem angrenzen- deu Terrain zwischen dem Ilausvogtei-Platz und der Jägerstrasse einer­seits, und der Oberwall- sowie der Kurstrasse andererseits lag und bis 1553 den Tobiasschen Garten bildete.

Nachdem dann Kurfürst Johann George denselben für 800 Gulden zur Erweiterung des bis dahin sich erstreckenden Tiergartens erworben, legte die Gemahlin des Kurfürsten Joachim Friedrich, Katharina, welche eine besondere Liebhaberei für die Landwirtschaft hegte, ein Vor­werk darauf an. Dasselbe ging nach dem Tode Katharinas, 1602, auf die zweite Gemahlin des Kurfürsten, Leonora, über, diente aber bald darauf an Stelle des alten, baufällig gewordenen Jägerhofes zur Jägerei.

Auch Kurfürst Johann Sigismund huldigte mit Leidenschaft dem edlen Waidwerk. Aus seiner Zeit ist eine Schilderung der dortigen Örtlichkeit von Interesse, die wir dem Tagebuche des liocliangesehenen Augsburger Handelsherrn Philipp Ilainhofer entnehmen, welcher im Oktober 1617 auf der Rückreise vom Hofe des pommerschen Herzogs Philipp in Berlin verweilte:Das Vorwerk der Kurfürstin, darneben etliche Handwerker, die täglich zu Hofe benöthiget, wohnen. Darbei ein Wagenhaus nebst den Stallungen für die Kutschen-Pferde; das Jägerhaus, auch sonst noch ein Haus,darinnen die Wünd-Hetzer (Windhund-Dressierer) wohnen; das Ballhaus, und wiirdt dieser Ortauf dem Werder genannt, gehet über die Ilundsbruggen (heutige Schlossbrücke), darüber man die Jagdhunde führet.

Das Ballhaus, in welchem keine Bälle gegeben, sondern geschlagen wurden, stand an der Ecke der Unterwasser- und Alten Leipzigerstrasse (No. 1). Der Grosse Kurfürst liess das wähi-end des dreissigjährigen Krieges verfallene Gebäude zur Pflege des Ballspieles, als einer guten Körperbewegung wieder herrichten; denn an Festlichkeiten konnte Friedrich Wilhelm und die kleine Ilofsvelt in der damaligen drangsal­vollen Zeit wenig denken.

Verhängnisvoll für Berlin gestaltete sich insbesondere der 20. Januar 1647, an welchem Tage Schwarzenberg, aus Besorgnis vor einem Angriff der Schweden unter dem Obersten Stahlhantsch, die Werdersche und Köllnische Vorstadt durch den Obersten Dietrich von Kracht mit Pechkränzen niederbrennen liess, wobei 103 Häuser eingeäschert wurden.