13. (5. ordentliche) Versammlung des IX. Vereinsjahres.
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werden. Die beigegebene Abbildung ist sehr anschaulich, auch bestens ausgeführt.
4. Die Berlinische Bildwirkerkunst, deren Wiederbelebung wir unserem Mitgliede Herrn Hof-Kunstweber W. Ziesch (in Firma W. Ziesch & Co., Berlin SO, Bethanien-Ufer 8) verdanken, ist wiederholt Gegenstand der Erörterung in der Brandenburgs gewesen.* Wir freuen uns, dass unser Mitglied bei der kürzlich geschlossenen Pariser Weltausstellung grosse Erfolge und allgemeine Anerkennung gefunden hat. Dem wohlorientierten, rühmlich bekannten Familienblatt „Die Saison“ entnehmen wir bei dem Interesse, welches die edle Bildwirkerkunst auch für unsere Heimat hat, aus der No. 59 (München, den 31. August 1900) zur Belehrung und Orientierung die folgenden geschichtlichen und technischen Angaben.
Dem ausgezeichneten Malerkünstler der „Gobelins“, Prof. Ehrmann, dankt man es, dass die im XVIII. und in der ersten Hälfte des XIX. Jahrhunderts völlig dekadente, nur mehr auf das sklavische Kopieren von Bildern jeden Geni'es beschränkte Bild wir kerkunst wieder in ihre ursprünglichen grossen und monumentalen Bahnen zurückgelenkt wurde. Es gehört durchaus gerade kein geschultes, wohl aber ein sehendes Auge dazu, um bei den Bildwirkereien aus der Blütezeit dieser Kunst die Prinzipien und technischen Mittel ihrer Erzeugung wahrzunehmen und die Einfachheit zu bewundern, mit welcher die Alten durch Konturen und 4—5 Schatten eines Tones in unvergleichlicher Weise zu wirken wussten; es ist eben alles in diesen Tapisserien organisch, grosszügig und monumental.
Die gemeinhin „Gobelins“ genannten Werke der Bildwirkerkunst sind Wirkarbeiten und schon die Bezeichnung „Wandteppich“, „Bildteppich“, „Figuren“- oder „Ilängeteppich“ weist uns unzweifelhaft auf
* Besuch der Brandenburg^ am 9. Sept. 1899 (Brandenburgs VIII, 264 flg.) und Erwähnung ebendaselbst IX, S. 257 (Sitzung vom 12. Sept. 1900). Litteratur: Die Gobelin-Manufaktur von Wilhelm Ziesch & Co., Separatabdruck aus dem Werke „Berlins Gross-Industrie“ von Paul Hirschfeld, Berlin 1899. — Von der Firma: Anleitung zur sachgemässen Behandlung alter echter Gobelins (Kunt-Handwebereien) Berlin 1899. — Der künstlerische Berather der Firma, Herr Historienmaler Konrad Astfalck, ebenfalls unser Mitglied, hat kürzlich eine heut ausliegende, treffliche, belehrende Studie veröffentlicht: Münchens Gobelin-Fabriken im 17. und 18. Jahrhundert und deren Zeugen im Neuen bayerischen National-Museum zu München (Berlin, Verlag von Karl Koch-Krauss, 1900), auf die wir zur Orientirung in der Geschichte auch unserer märkischen Gobelin-Manufaktur verweisen. Dass in Brandenburg-Preussen im 17. und 18. Jahrhundert Gobelins fabrizirt sind, scheint ganz vergessen zu sein. Erst kürzlich war in einer in Bayern erschienenen kunstgewerblichen Schrift zu lesen, dass in Deutschland nur zu Würzburg Gobelins angefertigt worden sein. Ein Besuch im Hohenzollem-Museum belehrt jedermann vom Gegentheil. Bezüglich der Astfalckschen Broschüre wird speciell auf das Albrechtsche Keferat B No. 1 dieser Niederschrift verwiesen.
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