Heft 
(1900) 9
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13. (6. ordentliche) Versammlung des IX. Vereinsjahres.

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In den Ecken ist der preussische Adler mit dem Monogramm FR eingewirkt. Die Ränder zeigen teils eine Pyramide von Trophäen, teils je zwei Soldaten mit Trophäen.

10. Der Deutsche Goldschmiedetag und die 400jährige Geburtsfeier des Altmeisters und Goldschmiedes Benvenuto Cellini am 2. d. M. ist wie in unserer Sitzung vom 31. Oktober d. J. angekündigt diesseitig im Künstlerhause, Bellevuestr. 3, beschickt worden und war die Brandenburgia im Vorstand durch mich und Herrn Franz Körner, im Ausschuss durch dessen stellvertretenden Vor­sitzenden, Herrn Professor Dr. Georg Galland, vertreten.

Das Gedeihen des Goldschmiede-Gewerbes geht allemal gleichsinnig dem Wohlstände der Stadt und des Landes. Sind gute Zeiten da, so findet sich auch Geld zur Anschaffung von Geschmeide und allerhand Gerät aus Edelmetall. Insofern kann in der That das Blühen und Gedeihen der Gold- und Silberschmiedearbeit und der Juwelierkunst, in seinem Steigen und Fallen als eine Art Wetterglas des Blühens und Gedeihens der Städte angesehen werden.

Das gilt auch von unserer Stadt Berlin.

Man macht sich gewöhnlich von der Wohlhabenheit der letztem in alter Zeit einen falschen Bericht und unterschätzt in dieser Beziehung in der Regel das alte Berlin sammt seiner Schwesterstadt Kölln an der Spree ganz bedeutend. Das hängt damit zusammen, dass der furchtbare dreissigjährige Krieg bis heutigen Tages unverrückbar in der Volksseele lebendig geblieben ist und dass man sich auf die besseren wirtschaft­lichen Zustände in unserer Mark vor jenen traurigen Zeiten nicht mehr zu besinnen vermag.

Es sei mir daher vergönnt, wenigstens mit ein paar Worten darauf hinzuweisen, dass Berlin in der Übergangszeit von der Gotik zur Renaissance eine wohlhabende Stadt war. Unser Mitglied Professor Dr. Friedrich Wagner hatte die Güte gehabt, mir für den 2. d. M. ein Verzeichniss des Juwelen-, Pretiosen-, Gold- und Silber­schatzes der Kurfürstin Elisabeth, Gemahlin Joachims I., einer dänischen Prinzessin, zur Verfügung zu stellen, welchen sie im kurfürst­lichen Residenzschloss verwahrte. Es ist das dieselbe hochgemute Fürstin, die später um ihres evangelischen Bekenntnisses halber in freigewählte Verbannung ging, und rührt aus Aufzeichnungen im Staatsarchiv her, welche Herr Wagner demnächst mit Erläuterungen versehen herauszu­geben beabsichtigt, während ich Abschrift des einfachen Verzeichnisses der hiesigen Goldschmiede-Innung zu ihrem Ehrentage namens des Magistrats als städtische Gabe überreichen durfte. Das sehr reichhaltige Verzeichnis rührt von 152B her und begreift die mannigfachsten Schmuck- Gegenstände des Körpers und der Kleidung, daneben aber auch kostbare