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378 13. (5. ordentliche) Versammlung des IX. Vereinsjahres.
Toilettengeräte. Ich kann natürlich nicht behaupten, dass diese Sachen sämtlich in Berlin gefertigt seien (unter Berlin ist hier die Schwesterstadt Kölln allemal inbegriffen), wenn auch der Kurfürst und die branden- burgischen Prinzen gewiss manche heimische Schmuckgabe der Kurfürstin verehrt haben werden, jedenfalls aber spricht dieser Kleinodien- und Silberschatz doch für die Mode der Zeit und deren Wohlstand.
Dieser fürstliche, aber auch der bürgerliche Wohlstand dauerten in der Renaissance- sowie in der Barock-Zeit, bis zu den Wirren des erwähnten beklagenswerten Religionskrieges fort, der allerdings infolge allgemeiner Verarmung die Thätigkeit des Goldschmiede- pp. Gewerks und überhaupt des Kunsthandwerks lahm legte. Um so erfreulicher ist es zu sehen, wie verhältnismässig schnell unter dem Grossen Kurfürsten das Kunstgewerbe aufblühte. Der Kurfürst selbst war diesbezüglich in einer guten Schule in den Niederlanden vorgebildet, die sich durch gediegene Pracht auszeichneten und vom Kriege weit weniger gelitten hatten. Dazu kam die Einwanderung der vertriebenen französischen Reformierten, welche Prachtliebe, kunstgewerbliche Fertigkeiten und teilweise auch Kapitalskraft ins Land brachten.
Die höchste künstlerische Blüte erreichte das Goldschmiede-Gewerbe während Kurfürst Friedrich’s UL, später König Friedrich’s I. Regierung, unter dem Einflüsse des genialen Andreas Schlüter. Dieser höchste Aufschwung des Spät-Barocks ist bislang nicht übertroffen worden.
Ganz beträchtlich sticht dagegen die Regierung des nüchternen und sparsamen Königs Friedrich Wilhelm’sl. ab. Die Allongenperrücke ist mit dem Zopf vertauscht und der Zopfstiel ist der Förderung des Kunstgewerbes nicht sonderlich diensam. Dabei soll nicht verschwiegen werden, dass der sparsame Soldatenkönig an gewichtigem derben Silbergerät Freude hatte und solches im Inlande und sogar ausserhalb Landes in Augsburg fertigen Hess. Aus seiner Zeit stammt ja gerade die bei A. Cosmar (Sagen und Miscellen aus Berlin’s Vorzeit S. 1 ff.) und bei A. Kuhn (Märkische Sagen und Märchen S. 129 ff.) berichtete Erzählung von dem fleissigen, aber armen Goldschmied, bei dem der König ein goldenes Service bestellt, während gerade gegenüber die Frau und Tochter des reichen Konkurrenten aus Missgunst die abscheulichsten Gesichter schnitten, so dass der Monarch an dem Hause der Heiligengeiststrasse, worin der arme Meister wohnte, zur Beschämung des Gegenüber den vielbekannten weiblichen Neidkopf anbringen liess.*)
Die politischen und kriegerischen Wechselfälle unter Friedrich- dem Grossen Hessen auch hier ein stetiges Aufblühen des Kunst-
*) Die Neidkopfsage ist in der Brandenburgia mehrfach behandelt: Brandenburgs VII, 286 flg. u. 327 flg. VIII, 70.