Heft 
(1900) 9
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13. (5. ordentliche) Versammlung des IX. Vereinsjahres.

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gewerbes nicht zu, war iloch zeitweilig die Geldnot eine so grosse, dass kostbares Gerät eingeschmolzen und minderwertiges Geld (die sogen. Ephraimiten) ausgegeben wurde*). Im Stil ringen Spätbarock (Louis Quinze- Stil), Rokoko, Zopfstil und der die Periode der Klassizität einfädelnde Louis Seize-Stil miteinander. Unter Friedrich Wilhelm II. über­wuchert der letztgedachte Stil und herrscht eine kurze Blüte des Gold- schmiedegewerks, um einem jähen Falle nach dem Zusammenbruch des preussischen Staats i. J. 1 SOG unter Friedrich Wilhelm III. Platz zu machen. Durch die Kriegskontributionen und Einquartierungen, durch die Kontinentalsperre, sowie das gänzliche Darniederliegen des äussern und innern Handels und Gewerbtleisses verarmten Berlin und Preussen, namentlich in den mittlern und östlichen Provinzen, schnell. Was an Gold- und Silbergerät noch gerettet war, wurde bei der Erhebung des Volkes i. J. 1813 auf dem Altar des Vaterlandes geopfert.Gold gab ich für Eisen lautete der- sinnige, erhebende Spruch, der auf den eisernen Ringen und Schmuckimitationen stand, welche gegen Trauringe und Schmuck aus Edelmetall eingetauscht wurden.

Dass unter so traurigen Verhältnissen der Juwelier, der Gold- und Silberschmied keinen grossen Verdienst haben konnte, dass der in Herrschaft tretende antikisierende Stil herb und einfach war, lag in den Zeitverhältnissen. Erst langsam hat sich das Kunstgewerbe wieder ent­wickelt in dem Maasse als Preussen den Gedanken, Deutschlands Vor­macht und Deutschlands Einiger zu werden, mehr und mehr erfasste.

Wie Handel und Gewerbe seit der Aufrichtung des Deutschen Reichs immer lebhafter aufgeblüht sind, so hat sich auch das Kunst­gewerbe und darunter nicht zum Wenigsten dasjenige, welches uns im Augenblick beschäftigt glänzend entwickelt.

Es war ein schöner Gedanke, den Deutschen Goldschmiedetag mit des grossen Florentiners Benvenuto Cellini vierhundertjährigem Ge­burtsfest zu verbinden. Ist er auch ein besonders vielseitiger Künstler, Musiker, Bildhauer, Erzgiesser, Medailleur und Edelmetallkünstler ge­wesen, so hat sich doch sein Ruhm vornehmlich auf dem letztgenannten Gebiete, als Juwelier, Gold- und Silberkünstler in der Erinnerung er­halten, wobei nur zu beklagen, dass gerade von den letztgedachten Werken sowenig aus seiner Meisterhand auf die Nachwelt gekommen ist, wie dies Herr Direktor Jessen vom Kunstgewerbe-Museum in seiner sinnigen Festrede des Näheren erörterte.

Kein geringerer als Goethe hat uns durch eine treffliche Über­setzung der Selbstlebensbeschreibung Cellinis mit dessen Werdegang ver­traut gemacht. Ich schloss deshalb meine Ansprache, die ich als Ver-

*) Der Zopfstil macht sich, zum Teil zwischen anderen Stilarten hindurch, von 1710 bis 1780 geltend.