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13. (5. ordentliche) Versammlung de» IX. Vereinsjahres.
treter der Stadt Berlin am 2. zu halten hatte, absichtlich mit einem Citat aus dem Anhänge zur Lebensbeschreibung Benvenuto Cellinis, Cottasche Ausgabe von 1850, Bd. XXIX S. 171. Goethe sagt daselbst folgendes:
„Zu damaliger Zeit genoss der Goldschmied vor vielen, ja man möchte wohl sagen, vor allen Handwerkern einen bedeutenden Vorzug. Die Kostbarkeit des Materials, die Reinlichkeit der Behandlung, die Mannigfaltigkeit der Arbeiten, das beständige Verkehren mit Grossen und Reichen, alles versetzte die Genossen dieser Halbkunst in eine höhere Sphäre.“
Ich fügte diesem Citat ein paar Worte hinzu, die ich um so lieber heut wiederhole, als der stellvertretende Vorsitzende der hiesigen Goldschmiede-Innung, Herr Raul Teige, unserm Vorstand angehört: „Meine verehrten Herren, möge das, was der Altmeister Goethe von Ihren Berufsgenossen im Cinquecento gesagt hat, auch von der Gegenwart, möge es von Ihren Berufsgenossen für alle Zeiten gelten: Das ist unser aufrichtiger Wunsch an Ihrem heutigen Ehrentage.“
Und ich schliesse mit Rücksicht auf unser erwähntes verehrtes Mitglied hier in der Brandenburg^ den Wunsch an, möge es dem Kunstgewerbe niemals an derartigen Meistern fehlen, die sich wie Herr Paul Teige zur Belebung und Förderung ihres Kuuststrebens in den Geist des Altertums vertiefen, sowohl in die Werke, welche uns von den klassischen Völkern den Altertums, wie von unsern nordischen Altvorderen überkommen sind; steht doch gerade der Genannte in der glücklichen Nachbildung und Ergänzung derartiger Werke unerreicht in der Gegenwart da, wie u. A. die prächtigen Nachbildungen vorgeschichtlicher und frühgeschichtlicher Herkunft gezeigt haben, welche Herr Teige im grossen Saal des Ständehauses am 12. Dezember 1894 (Brandenburgs 111, S. 239) für unsere Mitglieder zu deren Freude und Überraschung ausgestellt hatte.
Ausgelegt und, soweit ich Vorrat besass, mitgeteilt habe ich die zu dem Goldschmiedetage erschienene, mit dem Brustbild des grossen Florentiner Altmeisters geschmückte „Festgabe zur vierhundertjährigen Geburtsfeier des Altmeisters und Goldschmiedes Benvenuto Cellini und zum Deutschen Goldschmiedetage in Berlin am 1., 2., 3. und 4. Nov. 1900“ (Verlag von Herrn. Schlag Nachf., Leipzig). Ebenso verteile ich einige Exemplare von Nr. 21 und 22 (1. und 15. Nov. d. J.) des „Journal der Goldschmiede-Kunst. Fachzeitschrift für Gold- und Silberschmiede, Juweliere und verwandte Gewerbe“. 21. Jahrg. Leipzig, im gleichen Verlag, Nr. 21 als Festmunmer ausgestaltet, Nr. 22 den Festbericht enthaltend. Dgl. sei erwähnt die Nr. 4 vom 20. d. M. der „Kunst-Halle“, woselbst unser Mitglied Herr Prof. Dr. G. Galland auf S. 49—51 „Vom deutschen Goldschmiedetage“ eingehend berichtet.