Heft 
(1900) 9
Seite
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13. (5. ordentliche) Versammlung des IX. Vereinsjahres.

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Endlich lege ich das allen Fachgenossen wohlbekannte Werk Dr. Friedrich Sarres vor:Die Berliner Goldschiniede-Zunft von ihrem Entstehen bis zum Jahre 1800. Ein Beitrag zur Kunst- und Gewerbe-Geschichte Berlins (Berlin 1895), ein vortreffliches Bracht-'Werk, dessen Bedeutung weit über den örtlichen Rahmen hinausgeht.

1555 zählt man in Berlin und Kölln 23 Goldschmiede-Meister, die sich zu einer Innung zusammen thun; es ist das sehr bedeutend, wenn man denkt, dass um dieselbe Zeit in dem reichen westlichen Strassburg mit viel grösserer Bevölkerung nur 50 bis 60, in dem östlichen Königs­berg i. Br. nur 9 Goldschmiede thätig waren. Aber Berlin-Kölln war eben damals, wie vorangedeutet, eine wohlhabende Gemeinde. Im 17. Jahrli. finden wir als hervorragenden Goldschmied Daniel Mannlick den Altern (* 1625 f 1701). Grabdenkmal für ihn und seine Gattin von Andreas Schlüter in der hiesigen Nikolai-Kirche. Einen grossen Ruf hatte Johann Christian Lieberkühn (* 1669 f 1733). Er erhält be­deutende Aufträge von Friedrich Wilhelm I., der ihn 1732 mit dem Ein­lager eines Unteroffiziers mit 6 Musketieren bedroht, wenn er nicht binnen 10 Tagen seine Arbeiten fertig stellt (Sarre S. 81). Ebenso hervorragend ist sein Sohn Christian (17351764). Unter Friedrich II. sind die Ilofjuweliere Gebrüder Andre, sowie Reclam Vater (f 1754) und Sohn (* 1738 f 1817) zu nennen. Verschiedene vortreffliche Berliner Goldschmiede- pp. Arbeiten werden bei Sarre, auf den überhaupt des , Weitern verwiesen werden muss, abgebildet.

ß. Herr Dr. Gustav Al brecht teilt die folgenden drei Berichte B 13 mit. Zunächst im Anschluss an den Bericht A No. 4 dieser Niederschrift:

1. Münchens Gobelin-Fabriken im 17. und 18. Jahrhundert und deren Zeugen im Neuen Bayerischen National-Museum zu München. Eine Studie von Konrad Astfalck, Berlin (Karl Koch- Krauss) 1900.

Diese interessante Broschüre, welche mit der Landeskunde der Mark Brandenburg zwar nichts unmittelbar zu thun hat, lege ich Ihnen deshalb vor, weil sie von einem Mitgliede derBrandenburgia, dem artistischen und technischen Leiter der Gobelin-Manufaktur W. Ziesch & Co., Kon­rad Astfalk, verfasst ist und weil sie ferner wertvolle Beiträge zur Geschichte der Kunstweberei in Deutschland enthält.

In München ist gegen Ende September das Neue Bayerische National-Museum eröffnet worden, in dem Altertümer und Kunst­schätze aus allen Gauen Bayerns aufgestellt sind. Unter diesen Schätzen befinden sich auch eine grosse Anzahl gewirkter Tapeten und Gobelins, welche zum grössten Teil in München selbst hergestellt sind. Diese Thatsache, dass bayerische Fürsten den nur in Flandern und Baris ge­pflegten Zweig des Kunstgewerbes in ihrer Hauptstadt haben ausüben