Heft 
(1900) 9
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13. (5. ordentliche) Versammlung des IX. Vereinsjahrea.

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tritt dann plötzlich ein Stillstand in der Münchener Manufaktur ein, die Ylamen kehren in ihr Vaterland zurück und auch Hans van der Biest verlässt schliesslich München.

Dieser flandrischen Epoche der Münchener Bildwirkerei folgt dann, wie Astfalck nachweist, im 18. Jahrhundert eine französische Epoche. Kurfürst Maximilian II. Emanuel, der sich als spanischer Statthalter in den Niederlanden eine grosse Vorliebe für farbenprächtige Wand­teppiche zu eigen gemacht hatte, gründete im Jahre 1718 eine neue Hautelisse-Manufaktur in München. Er beschäftigte, wie dies nach dem Erlöschen der flandrischen Teppichweberei und bei der Berühmtheit der Pariser Fabrik auch nicht anders zu erwarten war, ausschliesslich fran­zösische Kunstweber. Zwei ehemalige Gobelin-Leute, die Franzosen Chedeville und SaDtigny, waren nacheinander die Direktoren der neu gegründeten Manufaktur und fast alle Meister und Gesellen hatten ihre Ausbildung in denGobelins in Paris erhalten. Der grösste Teil der in dieser Manufaktur angefertigten Arbeiten ist noch im Neuen Bayrischen National-Museum vorhanden, u.a. eineGeschichte der Bayern- herzöge, die in den Jahren 1732 174(i gezeichnet ist. Die mit dem Namen Santignys signierten Gobelins und Tappisserien stammen aus den Jahren 17671790. Das letzte Stück, auf dem sich sein Name ein­gewebt findet, ist einFestmahl der Götter, das gar die Jahreszahl 1802 trägt. Das Bestehen der zweiten Münchener Manufaktur lässt sich 'bis 1808 verfolgen, dann fehlen weitere Nachrichten.

Obwohl die Bildwirkerkunst nie recht heimisch in Deutschland ge­worden ist, zeigen doch die im Neuen Bayerischen National-Museum auf- hewahrten Schätze und die in Berlin aus der Zeit des Grossen Kurfürsten erhaltenen Gobelins, dass deutscher Fleiss und deutsche Genauigkeit sich für diesen Zweig des Kunstgewerbes besonders eignen, denn neben den flandrischen und französischen Webern haben auch deutsche Arbeiter sowohl in der Münchener Manufaktur wie in Berlin unter Pierre Mercier mitgewirkt, und die seit einigen Jahren in Berlin wieder aufgenommenen Versuche mit der Ilautelisse-Weberei (vgl. meinen AufsatzGobelin­weberei: Bär NIX. 619 ff.) lassen vermuten, dass die Bildwirkerkunst sich auch in Deutschland einmal zu ähnlicher Blüte entfalten wird wie vor Jahrhunderten in Frankreich, Flandern und Italien.

2. Heimatkunde der Provinz Brandenburg. Für die Hand der Schüler dargestellt von H. Quilisch, Rektor in Freienwalde a. O. Mit Bildern und mit einer Karte. 2. vermehrte und verbesserte Auflage. Selbstverlag. Freienwalde a. 0. 1900. Vor Jahresfrist, in der Sitzung vom 29. November 1899, konnte ich Ihnen dieses kleine Werk, welches, von einem Mitgliede derBrandenburgia, Herrn Rektor]jQuilisch, verfasst, nunmehr in 2. Auflage erschienen ist, vorlegen und bestens empfehlen.