Heft 
(1900) 9
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13. (5. ordentliche) Versammlung des IX. Vereinsjahres.

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Tiefenseer Forst, gehört also noch nicht zum verbotenen Paradies des Prötzeler Waldes und kann deshalb auf seinen lauschigen Wegen un­gestraft betreten werden. Die prächtigen Ausblicke vom Nordende des Sees, der mit seinen eigenartig gestalteten Umrahmungen von Laub- und Kiefernwald an die Gebirgsseen des Schwarzwaldes erinnert, fanden ebenso wie die idyllische Umgebung des West- und Südufers gebührende Anerkennung, und man bewunderte den Natursinn des märkischen Lieder­dichters Pastor Schmidt von Werneuchen, der hier im Grunde an der Südspitze des Sees seine bei Alt und Jung beliebten Volksfeste feierte. Auch von der Höhe der Prötzeler Chaussee, die an dieser Stelle etwaJO*25 m hoch durch den Gamengrund aufgeschüttet ist, geniesst man einen grossartigen Anblick auf den Gamensee und auf den südlicli sich hinziehenden, tief eingeschnittenen Gamengrund mit seinem wogenden Wipfelmeer und seinen moosigen Abhängen.

Westlich vom Gamengrund bis zum Vorwerk Werftpfuhl zieht sich das Waldrevier hin, das leider der Vernichtung geweiht ist. Dieser Abschnitt der Prötzeler Heide ist nach dem Tode des Barons von Eckard- steiu durch Vererbung in den Besitz eines Verwandten des Grafen von Finckenstein auf Ziebingen übergegangen und von diesem an eine Berliner Aktiengesellschaft für Holzverwertung und Imprägnierung ver­kauft worden, die nunmehr das ganze Gebiet bis an den Gamensee hin abholzen will. Bei Werftpfuhl ist bereits mit der Abholzung begonnen worden, eine Schneidemühle verarbeitet das gewonnene Rohmaterial so­fort an Ort und Stelle, und auf diese Weise wird nach und nach der gesamte, etwa IHM) Morgen umfassende Waldbestand zu Balken und Brettern verarbeitet werden. Da die Grenze des betreffenden Gebiets mitten durch den Gamengrund geht, so wird vermutlich die westliche Hälfte seines Baumbestandes in einiger Zeit ver-schwinden, und die so oft gerühmte Schönheit des Gamengrundes wird dann auf Jahre hinaus vernichtet sein und nur in den begeisterten Schilderungen märkischer Naturfreunde fortleben. Noch ist es Zeit, dem unheilvollen Treiben kaufmännischer Spekulation Einhalt zu gebieten und wenig­stens die Waldpartieen im Gainengrunde und seiner nächsten Nähe zu schützen. Noch ragen die Wipfel der stattlichen Bäume zum Entzücken des Wanderers empor und mahnen ihn mit ihrem Rauschen, seine Stimme zur Rettung des bedrohten Waldreviers zu er­heben, aber bald werden sie der Axt zum Opfer fallen und knirschend und ächzend werden sie niedersinken, seufzend über den Undank der Welt, die sie so oft durch ihre Schönheit entzückt haben. Vielleicht wird dem herrlichen Baumbestände ein Retter erstehen und dem Gainengrunde seinen reizenden Schmuck erhalten. Jedenfalls wäre es im höchsten Grade zu bedauern, wenn die massgebenden Behörden nicht so viel Macht über eine Privatgesellschaft besässen, um die Verunstaltung des

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