Heft 
(1900) 9
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Fontaneß Grete Minde.

erzählt, schon lange vorheretliche Brandzeichen hin und wieder in der Stadt ausgeworffen gefunden und sollen doch auch nachher die Bürger durch neue erschreckt worden sein. Einmal soll auf diese Weise auch wieder Feuer entstanden sein, alsodass etliche Häuser davon in Hauch aufgingen. Kein Wunder, dass die Bevölkerung in grösster Angst lebte. Es wurden Kundschafter bestellt, Vorsichtsmassregeln durch tleissiges Wachen und andere Anstalten getroffen und auch Gottes Hilfe ward angerufen, indem man in allen Predigten, auch in den umliegenden Ortschaften den Herrn anflehte, die bösen Buben an den Tag zu geben. Endlich. wurden durch einen Zufall die angeblichen Urheber der Brand­stiftung entdeckt. Her Ehemann eines Tangermünder Kindes aus einer Katsherrenfamilie, Greta Mindens, wurde, als er sich verdächtig machte, festgenommen und derpeinlichen Frage unterworfen. Hier soll er wider männigliches Vermuten freiwillig bekannt haben, dass er nebst seinem Weibe und anderen Buben die Stadt eingeäschert habe. Nach dieser Aussage wurde Grete Mindeund noch ein Kerl in Haft ge­bracht. Allen dreien wurde der Prozess gemacht, in dem sie nach langen Verhandlungen zum Tode verurteilt wurden. Am 22. März 1(519, andert­halb Jahre nach dem Brande wurden Grete Minde, ihr Mann und jener Gefährte unter grausamen Martern hingerichtet. Nach ihrem Tode,' be­richtet der Chronist, wurden noch etliche ertappet und durch allerhand Pein hingerichtet, etliche aber haben nicht mögen ausgekundschafftet werden, sondern seynd dem gerechten Gerichte Gottes anheimgegeben.

Über diese Vorgänge liegen uns zwei Berichte von Zeitgenossen vor. Der eine stammt von einem Manne, der in dem Jahre der Feuers­brunst einer der beiden Bürgemeister der Stadt war, von Caspar Helm reich. Caspar Helmreich liess im Jahre 163(5 in Magdeburg Annales Tangermundenses erscheinen, ein Werk, das in seiner ersten Gestalt seinen Titel mit wenig Fug trägt. Denn in seinen drei Büchern enthält es von Tangermünde so gut wie nichts. Es handelt vielmehr von den ältesten Bewohnern der Mark bis zur Zeit Karls des Grossen, dann von ihrer Gründung durch Heinrich 1. bis zur Besitzergreifung durch Friedrich von Ilohenzollern, Burggraf von Nürnberg; endlich giebt es eine sehr summarische Geschichte der Ilohenzollerschen Kurfürsten bis Georg Wilhelm. Der Verfasser war ein poeta laureatus Caesareus und hat auch seine Chronik in deutschen iambischen Versen abgefasst. Doch würde sich heute schwerlich jemand finden, der geneigt wäre, ihn mit dem Lorbeer zu schmücken. Seine Reimerei ist trostlos. Den Versen hat er Anmerkungen in lateinischer Sprache liinzugefügt, in denen er seine Quellen citiert, eine grosse Belesenheit offenbart, zugleich aber "jene tote Gelehrsamkeit auskramt, die seiner Zeit eigen war.

Von Tangermünde handelt erst das vierte Buch. Dieses brachte aber erst die zweite 1651 in Zerbst erschienene Ausgabe zusammen