Heft 
(1900) 9
Seite
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Fontanes Grete Mintlc.

den Flössen gehörige Weib Böses gegen sie im Schilde führt und treibt Valtin zum Aufbruch. Sie benutzen in der Nacht einen Moment, wo sie hart am Ufer vorbeifahren und unbeobachtet sind und springen ans Land. Und in kurzem sind sie über die Grenze.

Erst nach drei .Jahren finden wir sie wieder. Sie stellen im Dienste jener Puppenspieler, die einst in der Vaterstadt die Vorstellung des .Jüngsten Gerichtes galten, die durch das Brandunglück jäli abgebrochen wurde und bei der sich Valtin zum ersten Male Greten gegenüber als Kitter und Retter erwies. Und nun sind sie wieder in der Heimat der Flüchtlinge in Arendsee. Grete ist eben Mutter eines Kindes geworden. Valtin liegt im SterJien. Auf dem Totenliette beschwört er sie, nach Tangermünde zurückzukehren, beim Bruder und der Schwägerin eine Heimstätte zu erbitten.Du kannst nicht mehr mit den fahrenden Leuten weiter bleiben! raunt er ihr mit ersterbender Stimme zu.Ich mag sie nicht schelten, denn sie waren gut mit uns, aber sie sind doch anders als wir. Und du musst wieder eine Ileimstätt haben und Herd und Haus und Sitt und Glauben! Er mutet ihr zu, sich den Ver­wandten als Magd anzubieten und niederzuknieen nicht vor der Schwägerin, aber vor ihrem Bruder Gerdt. Die stolze, unbeugsame Grete vermag es nicht, dem Stellenden den letzten Wunsch zu versagen und verspricht ihm Erfüllung. Valtin stirbt und Grete wünscht, ihn auf dem Kirchhof des Orts beerdigt zu sehen. Alier der Pfarrer Uoggenstroh, ein harter, intoleranter Mann, gestattet nicht, dass ein Fahrender, von dem niemand wusste, wes Glaubens er wäre, ein ehrliches Begräbnis erhalte. Grete ist verzweifelt. Da erbarmt sich ihrer die Wirtin, bei der sie wohnt und rät ihr, zu den Nonnen des Klosters zu gehen und ihnen ihre Not zu klagen. Sie würden ihr helfen, schon ein echt Fontanescher Zug weil sie den alten Roggenstroh nicht leiden könnten. Und sie findet Hilfe. Die Domina, eine 95jährige Greisin, räumt dem Toten gern einen Platz auf dem Kirchhof des Klosters ein und hier findet er seine letzte Ituhe.

Grete aber hat nun den schwersten Gang zu thun, indem sie nach Tangermünde zieht. Sie tritt vor den Bruder und bittet um eine Heim­statt und einen Platz an seinem Herd. Sie will ihm dienen. Das soll ihre Busse sein. Der Bruder schlägt es aus. Seine Schwester könne nicht seine Magd sein. Das verbiete das Herkommen und das Gerede der Leute. Da bittet Grete, wenigstens ihr Kind, das in Sitte und Ehre aufwachsen solle, aufzunehmen, oder wenn sie sich seiner schämen, es zu guten Leuten in Pflege und Zucht zu geben. Und sie wirft sich ihm zu Füssen.Hier lieg ich, ich habe mich vor Dir niedergeworfen, nimm mich wieder auf! Hilf mir, und wenn nicht mir, so hilf dem Kind! Der harte Bruder bleibt unerbittlich. Er lässt die Schwester liegen und greift nach dem Aktenbündel, als ob er der Störung müde