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Fontanes Grete Minde.
das von ihm, wie wir noch selten werden, sicher herangezogene Bek- mannsche Werk verwies (Bekmann 5 Thl. I. Buch VI. Kap. Sp. 35), aus den Antiquitates konnte er ersehen, dass die beiden Bürgemeister Taugenniindes in dem Jahre der Brandstiftung Caspar Helmreich und Peter Asseburg waren. Er aber lässt Peter Guntz damals an der Spitze des Regiments stehn, von dem wir nur wissen, dass er i. J. 1598 das Scepter führte, während er 1(517 anscheinend längst tot war. Und bei der Aufzählung der Ratsherren (S. 153) bedient er sich ausser bei Caspar Helmreich, der aber, wie gesagt, Biirgemeister war, fingierter Namen obgleich ihm an derselben Stelle die authentischen zu Gebote standen.
Ganz am Schluss der Dichtung erscheint der altmärkische Landeshauptmann. Fontane giebt ihm den Namen Achaz von der Schulen- burg. So hiess. in der That einmal der unmittelbare Vertreter des Kurfürsten in der Altmark. Nur lebte er zwei Menschenalter später und wird als Truppenführer 1(575 beim Anmarsch der Schweden genannt. Das konnte Fontane etwa aus Pohlmanns „Historischen Wanderungen durch Tangermünde (Taugermünde 184(5, S. 68) erfahren. Dass er dieses Buch benutzt hat, möchte sich daraus ergeben, dass hier unter den angesehenen Familien der Stadt die Zernitze und Guntz aufgezählt werden (S. 99 f.). Wirklich liiess der Mann, der i. J. 1(517 das höchste Amt in der Altmark bekleidete, Thomas von dem Knesebeck. Es ist der selbe, dessen Büste nächstens das Denkmal Johann Sigismunds in der Siegesallee zeigen wird. Auch diesen Namen konnte Fontane aus Bekmann entnehmen, der alle Landeshauptleute, soweit sie bis zu ihm hin festzustellen waren, nennt (Bekmann 5. Thl. 1. Buch 1. Kap. Sp. 55). Ebenso war es ihm ein Leichtes, aus seiner Beschreibung von Arendsee zu erfahren, dass die damalige Domina des Klosters Eva Margarita von Wartenberg liiess. Fontane nennt sie v. Jagow. Neben ihr führt er noch die Namen einiger anderer an: Ilse von Schulenburg, Barbara v. Rundstedt, Adelheid v. Rademin, Mette v. Bülow. Zwei dieser Namen sind nicht rein fingiert, sondern einer Urkunde vom Jahre — 1481 entnommen, die die siebzig Insassen des'Nonnenklosters aufzählt. Die Urkunde ist unter den genannten Büchern nur bei Bekmann (1. Buch 9. Kap. Sp. 3(5 f.) abgedruckt und damit gewinnen wir die Thatsache, dass unser Dichter dieses heute noch für jeden märkischen Forscher unentbehrliche Buch herangezogen hat. In ihm konnte Fontane auch lesen, (V. Teil 1. Buch 9. Kap. Sp. 28), welchen Namen der damalige Pfarrer von Arendsee führte, den er Roggenstroh nennt. Er hiess Steff. Thuritz. Nur der Prediger Gigas amtierte wirklich in der Zeit in Tangermünde. Doch fehlt ihm in der Überlieferung jeder persönliche Zug. Die prächtige Gestalt der Dichtung ist Fontanes freie Erfindung. Küster berichtet von ihm, dass er eine rühmliche Gelehrsamkeit besass und deshalb zu einer religiösen Unterredung mit einem bekannten Theologen berufen wurde