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Kleinere Mitteilungen.
Bei der Kleidung wurde damals nicht viel auf modernen Schnitt gesehen, namentlich bei uns Jungen nicht. Bekam solch neunjähriger Junge ein Paar neue Hosen, so wurde darauf gehalten, dass dieselben bis zur Einsegnung passten.
Mir ist heute noch in Erinnerung, wo eine Frau zu dem Schneidermeister S. beim Ilosenmassnehmen sagte: »August, mock se man den Jungen recht vollkommen!“
Mitte der fünfziger Jahre nach Beendigung der Melioration (Verwallung) hob sich auch der Wohlstand der AViesenbesitzer. In den Jahren 1857—59 traten bei trocknen, heissen Sommern gute Heuernten und hohe Preise ein, so dass der Händler das Heu nach Gewicht kaufte und schlankweg 1 Thaler 5 Sgr. bis 1 Thaler 10 Sgr. zahlte. Jetzt bekamen die niedrigen AViesen einen höheren AA’ert, auch kamen ab und zu Tauschgeschäfte zwischen hohen und niedrigen A\ r iesen unter den Eigentümern vor.
Anfang der sechziger Jahre fing man schon an, einige Schneidemühlen zu bauen.
Das Holzlager auf dem See, welches vordem bis zum Blockhause resp. oberhalb des Teufelsberges lagerte, zog sich von Jahr zu Jahr mehr nach Oderberg. Die Grossgarnfischerei musste eingestellt werden. Das Aalstechen, ein uraltes Recht, welches alljährlich am Aschermittwoch auf dem See begann und ein A'ergnügen der Einwohner war, wurde polizeilich verboten. Als Grund wurde Tierquälerei angegeben. Sehr viele von den Einwohnern gingen weiter stechen, weil sie sich auf ihr schriftliches Urkundenrecht stützten. Leider wurden alle mit einem Strafmandat von 5 Thalern bedacht, die jeder zahlen musste, da eine Urkunde nicht mehr zu finden war. Das Aalschnurlegen wurde nicht als Tierquälerei angesehen. —
Mitte der sechziger Jahre verlegte sich die Holzindustrie mehr und mehr von Liepe nach Oderberg, was zur Hebung Oderbergs viel beitrug. Durch die guten Verdienste in den siebziger Jahren bekam auch das Vereinsleben mehr Aufschwung. Man veranstaltete sogar schon Vereins-Maskenbälle, von denen man in den sechziger Jahren nur vom Hörensagen wusste.
Auch die Ladengeschäfte stehen heute schon auf einem anderen Standpunkt. Sie bieten alles, was der Alensch irgendwie zur Leibesnahrung und Notdurft bedarf, von den feinsten Conserven bis herab zum alten Sechserkäse.
Gab es früher Einquartierung, so musste der Soldat zufrieden sein mit dem, was jeder selbst in der AVirtschaft gewann oder von den Dörfern bezog, z. B. Oderberger, Lunower oder Paarsteiner Butter, Spickgans oder geräucherte Bratwurst u. s. w.
Heute liegt die Sache anders, da hat ein findiges AVarenhaus den Lieferanten von den Dörfern Konkurrenz gemacht, indem es den Hausfrauen zur Einquartierung die Vorzüge seiner Margarine anpreist. Der Soldat scheint jedenfalls diese schönen Delikatessen in seiner Garnison nicht zu bekommen.
Eine Sache hat sich seit 40 Jahren nicht verbessert, vielmehr verschlechtert; die Übertretung des 7. Gebots. AVenn da jemandem, wie es kürzlich passiert ist, ca. 12 Capitzen Heu gestohlen werden, so kann der